Verbraucher verlangen heutzutage mehr von ihrem Stromversorger als nur das Produkt „Strom“. Sie wollen Transparenz und die Flexibilität, ihren Energieverbrauch selbstständig zu steuern. Mit Künstlicher Intelligenz (KI) und Blockchain sind Energieversorger in der Lage, diese Kundenwünsche zu bedienen.

Prosumer und E-Autos machen Stromversorgung anspruchsvoller

Das steigende Bedürfnis der Verbraucher nach einer umweltbewussten Energieversorgung fordert von Stromversorgern ein Umdenken. Verbraucher wollen stromsparend haushalten und fragen daher zunehmend nach Erneuerbaren Energien statt nach fossilen Brennstoffen. Einige werden sogar selbst zu Stromproduzenten, zu sogenannten Prosumern, etwa mit der eigenen Photovoltaikanlage auf dem Dach oder einem privaten Blockheizkraftwerk. Diese Entwicklung führt dazu, dass die Grenzen zwischen Konsumenten und Produzenten verschwimmen. Für Energieversorger wird es so schwieriger, den Überblick zu behalten und abzuschätzen, wann Strom ins Netz eingespeist und wann er verbraucht wird.

Selbstversorger statt Stromversorger
Verbraucher nehmen ihre Energieversorgung selbst in die Hand / Bild: Naletu on Unsplash

Auch die steigende Nachfrage nach E-Autos stellt Stromanbieter vor Herausforderungen. Laut einer Studie des Center of Automotive Management (CAM) haben sich die Absatzzahlen von Elektroautos in Deutschland 2017 im Vergleich zum Jahr davor verdoppelt. Sollten sich E-Autos im Massenmarkt durchsetzen, müssen Energieversorger ihre Netze sukzessive aufrüsten. Eine weitere Studie von Oliver Wyman ergab, dass bereits eine E-Auto-Quote von 30 Prozent die Stromnetze stark überlasten würde – wohlgemerkt vorausgesetzt, sie würden zeitgleich ans Netz gehen. Bei den Ladevorgängen der Fahrzeuge käme jedoch es zu Lastspitzen, die die Netze Stand heute nur schwer bewältigen können.

Verteilnetzbetreiber sind bei allen Veränderungen dazu verpflichtet, den Energiebedarf aller Kunden zu 100 Prozent sicherzustellen. Es müssen also neue Lösungen erdacht werden, mit denen der Stromverbrauch richtig verwaltet werden kann.

Blockchain ermöglicht einfachen Austausch von Energie

Erste, vielversprechende Lösungsmöglichkeiten für dieses Problem gibt es bereits: China beispielsweise testet derzeit eine erste Solar-Autobahn, die E-Autos noch während der Fahrt wieder aufladen und gleichzeitig mit Internetzugang versorgen soll. Doch noch ist die Umsetzung sehr teuer und die Witterung sorgt für Probleme.

Auch mit Blockchain bietet sich interessante Möglichkeiten, zum Beispiel für eine einfachere Stromversorgung von E-Autos. Wie? Zum Beispiel durch die Schaffung eines simplen, günstigen Abrechnungssystems für Ladesäulen, das ohne aufwendige Verifizierung auskommt. E-Auto und Ladesäule könnten direkt und automatisch miteinander kommunizieren und selbst minimale Strommengen, etwa beim Ampelstopp über eine Induktionsschleife in der Straße, laden und abrechnen. An einem solchen Vorhaben arbeitet RWE in Kooperation mit dem Start-up slock.it.

Und es sind weitere Anwendungsfelder möglich. So können auch stromproduzierende Haushalte von Blockchain profitieren. Über die Blockchain können sie überschüssigen, selbsterzeugten Strom ganz einfach an ihre Nachbarn verkaufen. Auf diese Weise könnte Blockchain den direkten Stromhandel zwischen Besitzern von Photovoltaik- oder Biogasanlagen und Verbrauchern vereinfachen. Auch macht die Technologie transparent, wie viel Energie in privaten Batteriespeichern vorhanden ist.

Energieversorger müssen jetzt handeln: Geht die Technologie an ihnen vorbei, verlieren sie womöglich Marktanteile an die Konkurrenz oder an Prosumer. Eine Umfrage von dena und der privaten Hochschule ESMT Berlin ergab, dass bereits die Hälfte der Energieversorger mit Blockchain experimentiert oder dies plant. Die Anbieter erhoffen sich dank Blockchain vor allem mehr Transparenz über ihre Energiebestände. Allerdings ist die Technologie nicht so ganz so weit. Bis die Anwendungsszenarien in der Praxis umgesetzt werden können, wird es noch eine Zeit dauern.

Energiemanagement verbessern mit Künstlicher Intelligenz

Was hingegen schon Realität ist: der Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Intelligente Systeme sind bereits heute in der Lage, den Energieverbrauch mittels spezieller Algorithmen und maschineller Lern- und Analyseverfahren genau vorherzusagen. Auf Basis von Verbrauchs- und Einspeisungsdaten können sie Prognosen erstellen, wie viel Energie ein Haushalt oder ein Unternehmen zu jeder Sekunde verbraucht und produziert. So wissen Stromversorger über die Netzauslastung Bescheid, können die Ein- und Ausspeicherung des Stroms und die Vermarktung überschüssiger Energie besser planen und ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern.

Wie viel Strom wird gebraucht? KI verrät es / Bild: Matthew Henry on Unsplash

KI kann aber nicht nur den Strombedarf prognostizieren. Mit KI können Energieversorger Verbrauchern zudem beim Energiesparen helfen. So bietet der Heizungsabrechnungsdienst ifena eine App zur Verbrauchsdatenerfassung an. Per App und mit ihr vernetzten intelligenten Thermostaten können Kunden ihren Warmwasser- und Heizkostenverbrauch über den gesamten Jahresverlauf beobachten und optimieren. Intelligente Algorithmen berechnen die Raumtemperatur und schlagen per Push-Meldung Alarm, wenn der Energieverbrauch in Wohnung oder Haus das gesetzte Budget überschreitet. Außerdem können Nutzer automatisch während ihrer Abwesenheit die Temperatur herunterregeln oder das Licht steuern.

Vom Stromversorger zum Smart-Home-Dienstleister

Die zunehmende Unabhängigkeit der Prosumer, die wachsende Anzahl an E-Autos und neue Technologien wie KI oder Blockchain führen bei Energiedienstleistern zum Umdenken – und zu neuen Geschäftsmodellen. Ein „Weiter so“ ist keine Option. Wer als innovativer Anbieter gelten will, muss sich zum Smart-Home-Dienstleister transformieren. Etwa, indem Versorgungsunternehmen neben dem Produkt Strom auch Dienstleistungen zur Verfügung stellen, die dabei helfen, mit Energie effizient zu haushalten.

Denn nach solchen Leistungen verlangen Verbraucher zunehmend. Sie wünschen sich von ihren Energieversorgern eine Einkaufsplattform, die vielfältige Produkte und Dienstleistungen zum Thema Energie anbietet. So wollen sie in Zukunft neben Elektrogeräten und Photovoltaik- sowie Heizungsanlagen auch Smart-Home-Lösungen bei ihrem Stromversorger kaufen können. Durch die Kooperation mit Start-ups, wie RWE es tut, oder die Einbindung von Apps als Service, erhöhen Energiedienstleister den Mehrwert für Verbraucher. Nur auf diese Weise können sie langfristig Kunden binden und zeigen, dass sie innovativ und fortschrittlich sind.

Mit Influencern vernetzen und Themenspektrum erweitern

Die neuen Geschäftsmodelle müssen sich natürlich auch in der Kommunikation widerspiegeln. Energieversorger brauchen eine geeignete Strategie, die multidirektional ist und nicht mehr nur in eine Richtung verläuft. Stromanbieter sollten nicht mehr nur die Verbraucher adressieren, die den Strom kaufen, sondern auch technologisch versiertere Prosumer. Dabei darf auch das inhaltliche Niveau steigen und marketingzentrierte Kommunikation sollte einen fachkundigen Austausch weichen. Prosumer sollten Energieversorger als kompetenten Partner wahrnehmen, der aktuelle Trends und neueste technologische Entwicklungen kennt und versteht.

Um das zu erreichen, ist eine aktive Kommunikation über Social-Media-Kanäle unerlässlich. Vor allem Twitter ist gut geeignet, um sich mit führenden Meinungsmachern und Influencern zu vernetzen. Ein Monitoring verrät, was den informierten Prosumer auf Twitter beschäftigt und mit welchen Themen Unternehmen sie erreichen können. So können Stromversorger sicherstellen, dass sie von der richtigen Zielgruppe gesehen werden.

Bei ihrer Social-Media-Kommunikation sollten Versorger sich jedoch nicht nur zu den klassischen Themen wie Strom, Wärme und Wasser positionieren. Wer seine Position im Markt auf diese Art neu definieren will, sollte sich gerade mit neuen Themen wie E-Mobilität und Blockchain befassen – relevante Themen, die Verbraucher mit Energieversorgern in Verbindung bringen. Einige Anbieter tun dies bereits intensiv, so zum Beispiel MainovaE.On oder innogy. Sie teilen einen Mix aus kuratierten, teils kommentierten Fremdinhalten, internen Insides und Veranstaltungen sowie eigene Hashtags mit Wiedererkennungswert.

Kommunikation für eine smarte Energiezukunft: Sprechen Sie uns an!

Sie sind ein Stromversorger und finden das klingt einleuchtend? Aber Sie suchen noch nach der richtigen Strategie für Social Media? Oseon hilft Ihnen gerne dabei, Ihre Kommunikation auszubauen und Sie mit Influencern oder Meinungsmachern im Bereich Energie zu vernetzen. Kontaktieren Sie uns einfach! Eine Übersicht über unsere Leistungen im Bereich Social Media finden Sie hier.