Bessermacherin Leonie Sterk über Nachhaltigkeit bei Epson und im Alltag

In unserer Porträtreihe Bessermacher*innen interviewen wir Persönlichkeiten, die mit Tatendrang unsere Welt ein Stück besser machen. Heute im Gespräch: Leonie Sterk, Sustainability Managerin beim Drucker- und Bürotechnik-Hersteller Epson. Epson möchte nicht nur mit seiner klimafreundlichen Druckertechnologie den Wandel von einer Wegwerfgesellschaft hin zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft fördern. 

Leonie Sterk, Sustainability Managerin bei Epson

Leonie, Wie bist du zum Nachhaltigkeitsmanagement gekommen? 

Mein Weg in den Nachhaltigkeitsbereich war nicht ganz gerade. Eigentlich wollte ich erst Astrophysikerin werden, habe im Studium dann aber gemerkt, dass European Studies mir mehr liegt. Im Bereich der Politik- und Wirtschaftswissenschaften sammeln sich viele Menschen, die wirklich etwas ändern wollen. Durch den Austausch mit eben solchen Menschen, habe ich Feuer gefangen für nachhaltige Themen.

Welches Thema hat dich da zuerst gepackt?

Für mich war der Klimawandel schon ganz am Anfang das Thema schlechthin. Im Jahr 2009 war ich mit einer Studentengruppe dann bei der Klimakonferenz in Kopenhagen, bei der auch Barack Obama gesprochen hat. Ich habe bei einer Riesendemonstration mitgewirkt. Es haben dort mehr als 100.000 Menschen demonstriert – das war verdammt viel für damalige Verhältnisse.

Nachhaltigkeit ist ein sehr schwammiger Begriff. Was genau bedeutet er für dich? 

Nachhaltigkeit bedeutet aus meiner Perspektive, dass wir alle eine Verantwortung tragen und einen Beitrag für das Weiterbestehen der Erde leisten müssen – und zwar so, dass alle Menschen egal wo auf dieser Welt, heute und morgen ein lebenswertes Leben führen können.

Leonie Sterk, Sustainability Manager bei Epson

Wo siehst du denn das größte Potenzial, um unsere Welt zu verbessern? 

Der stärkste Ansatzpunkt, um wirklich etwas zu bewegen ist, dass jeder Einzelne etwas verändert. Das bedeutet jetzt nicht, dass alle im Wald als Selbstversorger leben sollen – das ist einfach nicht realistisch. Aber insbesondere im Zusammenhang mit Corona zeigt sich derzeit zum Beispiel, dass es möglich ist, dass Menschen weniger fliegen. Verhaltensänderungen sind also möglich. 

Wichtig ist mir aber vor allem, dass Menschen generell anfangen, das Thema Nachhaltigkeit zu reflektieren - und zwar nicht nur in Bezug auf den Klimawandel, sondern eben auch im Bereich soziale Nachhaltigkeit. Dafür ist es vonnöten, aus dem eigenen Egozentrismus auszubrechen und sich auch mal zu fragen „Hey, was passiert eigentlich im Nachbarhaus auf der anderen Seite der Straße? Was bewegt diese Menschen sozial?“

Wie wird man eigentlich Nachhaltigkeitsmanagerin und wie können wir uns deinen Berufsalltag vorstellen?

Nachhaltigkeitsmanagement ist ein relativ junges Berufsfeld, daher gibt es verschiedene Wege, die man einschlagen kann. Mittlerweile gibt es auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Studiengänge wie Umwelt- oder Nachhaltigkeitsmanagement. Daneben finden aber auch viele Quereinsteiger aus anderen Bereichen, wie BWL, VWL, Politik- oder Kommunikationswissenschaften den Weg in Nachhaltigkeitsabteilungen. Wichtiger als die Ausbildung ist meiner Meinung nach aber, dass man etwas bewegen möchte, unsere Welt und Wirtschaft ein bisschen besser machen will.

Ich bin als Nachhaltigkeitsmanagerin für die DACH-Region bei Epson Ansprechpartnerin für alle Themen und Fragen zur Nachhaltigkeit, gleichermaßen extern wie intern. Meine Aufgabe ist es, Nachhaltigkeit in allen Unternehmensbereichen, Managementstrukturen, Entscheidungsprozessen und Arbeitsabläufen zu integrieren. Das klingt jetzt erst mal recht theoretisch, ist es aber keinesfalls. Tatsächlich geht es immer um konkrete Projekte – von kleineren lokalen bis hin zu großen Projekten über mehrere Länder hinweg. Dazu gehören zum Beispiel Nachhaltigkeits-Workshops für den Fachhandel genauso wie die Teilnahme an Nachhaltigkeitskonferenzen oder ein Umweltunterricht, den wir in Schulen in Meerbusch und umliegenden Kommunen umsetzen.

Der stärkste Ansatzpunkt, um wirklich etwas zu bewegen ist, dass jeder Einzelne etwas verändert.

Leonie Sterk, Sustainability Manager bei Epson

Wie bemisst du Erfolg bei deiner Arbeit? 

Für mich ist der größte Erfolg zu sehen, wie weit wir mit unserer Arbeit bereits gekommen sind. Das zeigt sich für mich insbesondere dadurch, dass sowohl unsere Kunden als auch unsere Mitarbeiter Nachhaltigkeit mittlerweile als ein existenzielles Thema verstehen – selbst im Vertrieb. Es ist toll zu sehen, dass hier ein Umdenken stattgefunden hat und wie motiviert viele sind, mitzugestalten und sich für Nachhaltigkeit zu engagieren.

Damit auch jede Einzelne aktiv werden kann: was sind deine Tipps für mehr Nachhaltigkeit im Alltag? 

Ich glaube es sind die kleinen Dinge, die sich summieren. Ich persönlich habe zum Beispiel noch nie ein Auto besessen und habe im meinem ganzen Leben bisher nur zwei Smartphones genutzt. Generell versuche ich weniger und möglichst fair zu konsumieren. So bringe ich meine Kleidung schon eher mal zur Ausbesserung oder lasse meine Schuhe neu besohlen, wenn sie abgelaufen sind. Dieses Jahr habe ich zudem versucht, nur saisonal und regional zu essen – das gestaltet sich jedoch im Winter recht öde, wie ich zugeben muss.

Es bringt auch wirklich sehr viel, Bahn zu fahren statt mit dem Flugzeug zu reisen. Hier muss aber auch unsere Wirtschaft und Politik dafür sorgen, dass grünes Reisen noch attraktiver wird. Es ist auf jeden Fall etwas schiefgelaufen, wenn man für 15€ einen Flug nach London buchen kann.

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