GPRA-Präsident Uwe Kohrs beklagt im aktuellen PR Magazin einen Mangel an qualifiziertem Nachwuchs für die PR. Die Redaktion bat auch uns um ein Statement zu Kohrs‘ Position. Unten ist es im vollen Wortlaut, im Print-Heft wurde nur ein kurzes Zitat verwendet.

Das PR Magazin zitiert den Präsidenten des Gesamtverbands PR-Agenturen (GPRA) mit den Worten:

„Die Leute sind für den Agenturbedarf immer weniger geeignet.“

Kohrs sehe für das postulierte Nachwuchsproblem

„zwei Ursachen: das miese Image des Agenturberufs sowie die aus seiner Sicht unvollständige Ausbildung durch Hochschulen und private Ausbilder.“

Ich wurde vom PR Magazin um unsere Einschätzung zu dieser Frage gebeten. Hier ist sie komplett nachzulesen:

„Die Suche nach qualifizierten Einsteigern für den PR-Beruf ist seit jeher eine Herausforderung. In der Qualität der Bewerber können wir bei Oseon keinen Unterschied zur Lage vor einigen Jahren ausmachen. Nur an einem liegt es nicht: Den Hochschulen. Insbesondere die expliziten PR-Studiengänge, etwa an den Fachhochschulen in Hannover und Darmstadt, aber auch kommunikationswissenschaftliche und publizistische Studiengänge an Unis wie Leipzig, Duisburg-Essen, Mainz und Münster bringen Absolventen hervor, die gute Voraussetzungen mitbringen.

Nach unserer Erfahrung zeichnet einen gute künftigen PR-Fachmann oder -Fachfrau vor allem die Lernwille und generalistische Neugier aus. Kein Hochschulabsolvent, auch solche aus PR-Studiengängen, ist ein fertiger Praktiker. Die ersten Jahre im Job sind von einer steilen Lernkurve geprägt, die man bereit sein muss mitzugehen. Wir haben auch viele Einsteiger zu tollen PR-Profis heranreifen sehen, die von ihrem Studium her überhaupt keine Berührungspunkte mit der Kommunikationsbranche hatten. Der Quereinstieg funktioniert noch immer.

Die Frage ist aber berechtigt, ob diese Absolventen in Agenturen noch (oder in Zukunft wieder) attraktive Arbeitgeber sehen. Dazu müssen die Agenturen aus unserer Sicht folgende Punkte beherzigen:

  1. Die Bereitschaft, junge Menschen im PR-Beruf praktisch auszubilden, ihnen systematisch Wissen zu vermitteln, Methoden beizubringen und ihnen im Lernen auch die Chance zu geben, aus eigenen Fehlern zu lernen. Wer fertige PR-Leute quasi „ab Werk“ erwartet, wird der Realität nicht gerecht.
  2. Die Agenturen müssen willens und in der Lage sein, dem PR-Nachwuchs schon von Beginn an eine Perspektive zu geben. Wer nur billige Berufseinsteiger rekrutiert, um Margenziele zu erreichen, wird diese Einsteiger wieder verlieren, sobald sie wissen, was ihre Leistung wert ist.
  3. Agenturarbeit bedeutet Vielfalt; an Branchen, Aufgabenstellungen, Strategien, Taktiken. Agenturen sind gut beraten, PR-Berufseinsteigern diese Vielfalt erlebbar zu machen und sie nicht übereilt in eine Fach- oder Branchenschublade zu stecken, aus der sie im nächsten Karriereschritt nur schwer wieder herauskommen.
  4. Agenturchefs die werteorientiert führen und ihren Kollegen – auch über die Berufseinsteiger hinaus – Vertrauen und Wertschätzung entgegenbringen, werden von ihnen mit Loyalität und Engagement belohnt. Wer dagegen in jedem Mitarbeiter nur eine Kostenstelle sieht, die möglichst viel Umsatz generieren soll, wird schnell nur Dienst nach Vorschrift ernten und eine hohe Fluktuation beklagen.

Die GPRA ist unserer Erfahrung nach weder bei Hochschullehrern noch -Absolventen bekannt. Sie wird auch genauso wenig wie die DPRG oder der BdP als Autorität in Sachen PR-Ausbildung wahrgenommen. Für uns als Agentur macht es keinen Unterschied, ob ein Bewerber nun einen Bachelor oder Master, ein Diplom oder ein PZOK-Zertifikat im Lebenslauf stehen hat. Hauptsache er oder sie bringt Neugier, Lernwillen und eine gesunde Portion Ehrgeiz mit, den Kommunikationsberuf in all seinen Facetten zu erlernen.“