Uber bekommt zur Zeit amtlichen Gegenwind. Und reagiert darauf wie eine trotzige Zweijährige. Was der kalifornische Chauffeur-Vermittler dabei offenbar übersieht: „Ich will aber!“ war noch nie ein gutes Argument, um Widerstände zu überwinden, sei es der Eltern oder der Behörden. In der deutschen Uber-PR läuft deshalb einiges schief.

grouch Schmoll doch! / Bild: CC by greg westfall on Flickr

Die auf einer Smartphone-App basierende Chauffeursvermittlung Uber bekommt Gegenwind von der Taxilobby, Gerichten und Stadtverwaltungen. Das ist nicht weiter überraschend, weil die Droschkenbranche eine der letzten Bastionen robuster Marktregulierung ist und sich die Taxifahrer nicht kampflos die Butter vom Brot nehmen lassen wollen.

Sicher, man kann über das staatlich vollreglementierte Geschäftsmodell Taxi streiten und sich fragen,  wie real die echte Bedrohung durch Uber, Wundercar und andere „ridesharing“-Dienste wohl angesichts der bislang wenigen Autos auf den Straßen wirklich ist. Für Kommunikatoren ist es aber hochinteressant zu sehen, wie der mit Millioneninvestments und Milliardenbewertung ausgestattete Herausforderer („Eroberer„?) mit den Widrigkeiten umgeht.

Uber ist in den vergangenen Monaten in kurzer Zeit in den meisten Großstädten Deutschlands mit einem „Jetzt kommen wir und wir sind die Zukunft der Mobilität“-Habitus an den Start gegangen. Sie installieren kleine lokale Teams, die Fahrer anwerben und im Social Web sehr aktiv und durchaus kreativ um die Zuneigung der Twitter– und Facebook-affinen Early Adopter werben. Soweit so gut und durchaus sympatisch-nahbar. Die Berichterstattung der reichweitenstarken Medien setzte aber erst ein, nachdem das Thema durch den großen Taxifahrerstreik die nötige Aufmerksamkeitsschwelle überschritten hatte. Von BILD bis FAZ, jeder hatte einen „Uber vs. Taxi“-Test am Start. Als Uber-PRler könnte man es sich jetzt bequem machen und sich ausnahmsweise einmal an den Vorzügen des Streisand-Effekts ergötzen, nach dem Motto „every PR is good PR“.

Aus meiner Sicht wäre das aber fahrlässig. Denn es wäre eine Rechnung ohne das deutsche Rechtssystem. Und das schützt die Taxifahrer vor ungeregelter Konkurrenz. Logisch, dass die Taxilobbyisten mit den Argumenten Sicherheit für die Verbraucher und transparenter Preisgestaltung für ihre Sache einstehen. Ganz nebenbei gehen die privaten UberPop-Fahrer auch noch das Risiko ein, ihren Versicherungsschutz zu verlieren, wenn sie gewerbsmäßig andere Leute transportieren (Update: Statement des GDV). Die Gemengelage ist also komplex, die kommunikativen Herausforderungen für Uber (und Mitbewerber) vielfältig.

Trotzige Rechthaberei ändert keine Gesetze

Vor allem sind die Probleme nicht dadurch zu lösen, dass man nach eingangs erwähnter Kleinkindmanier möglichst laut schreit, dass die anderen doof und man selber im Recht ist. Aber genau das tut Uber im Blog.

Man kann die Uhr danach stellen: Sobald eine amtliche Stelle, wie gestern der Berliner Senat Uber einen Riegel vorschieben will, erscheint am nächsten Tag ein Blogpost von Uber, der sich

a) einer verschwurbelten, von US Tech-hype-Speak durchsetzten Sprache bedient, die doch sehr aus vorbereiteten Statements übersetzt wirkt, wie zum Beispiel:

„Wir möchten die Smart-Cities der Zukunft  mitgestalten in welchen innovative urbane Transportmöglichekiten wie Uber zu einem integralen Bestandteil der Infrastruktur werden.“

Und – was viel schwerer wiegt –

b) sie bezichtigen einen Gegner der Gestrigkeit, der zunächst einmal nichts anderes tut, als den Rechtsweg zu beschreiten. Zitat:

„Während Uber in immer mehr zukunftsorientierten Städten Europas expandiert, haben sich die Berliner Behörden für einen rückwärtsgewandten Schritt entschieden und eine Unterlassungsverfügung gegen UberBlack und uberPOP erlassen. Damit schränken sie nicht nur Uber ein, sondern entziehen den Berliner Bürgern die Möglichkeit der freien Wahl.“

Sie übersehen dabei: Das Argument der Wahlfreiheit ist ein marktwirtschaftliches und es sollte – ja muss! – in der Kommunikation von Uber eine zentrale Rolle spielen, doch die Begründung der Behörden ist eine andere. Die berufen sich nämlich auf das Personenbeförderungsgesetz und das verlangt von gewerblichen Personenbeförderern eine Lizenz. Uber beschimpft also den falschen Gegner.

Wenn Uber es mit dieser Trotztaktik darauf anlegt, möglichst viel öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen, mag ihnen das zunächst gelingen. Als Partner für die wirklich entscheidenden Gespräche über die vielleicht überfällige Liberalisierung des Taximarktes qualifizieren sie sich damit aus meiner Sicht aber nicht.

Was wäre zu tun?

Eine neue Haltung zur Kommunikation mit der deutschen Öffentlichkeit wäre ein Anfang. Das Gespräch mit der Politik suchen, statt sie der Rückwärtsgewandtheit zu zeihen, so sehr sie das auch sein mag. Sich langsam aber stetig bohrend an die dicken, harten Bretter der Lobbyarbeit für eine Liberalisierung des Taximarktes zu setzen, statt diese im Stile eines Kung-Fu-Kämpfers mit der Stirn durchbrechen zu wollen in der Hoffnung auf ein „toll gemacht!“ des Publikums.

Wer ein gutes Produkt und zufriedene Kunden hat, wer mit dem Pfund der besseren Qualität und günstigerer Preise durch mehr Wettbewerb wuchern kann, sollte sich nicht zu schade sein, seine Kommunikation wie ein Erwachsener zu betreiben. Denn zwischen Recht haben und im Recht sein gibt es dann doch einen Unterschied.