Spendenplattform 3x5 ruft zu mehr Solidarität in Zeiten von Covid-19 auf

Covid-19 trifft mitnichten alle gleich. Zwar macht das Virus keinen Unterschied, wen es infiziert und wen nicht, doch wirken sich die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie unterschiedlich aus. Während die Einen um ihre Existenz fürchten, kommen Andere besser durch die Krise. Viele Leute konnten in den letzten Monaten sogar Geld sparen.

Der Anwalt Fabian Niemann von der Kanzlei Bird & Bird hat deshalb gemeinsam mit einem 16-köpfigen Team die Spendenplattform 3x5 aufgebaut. Das Spendengeld soll den von der Corona-Pandemie besonders betroffenen Bereichen der Kultur, Familie sowie Wohlfahrt und Gesundheit zu Gute kommen. Fabian Niemann findet: Trotz staatlicher Hilfe und Steuerbelastung sollte, wer kann, gerade jetzt spenden, damit wir alle gemeinsam durch die Krise kommen. Im Rahmen unserer Porträtreihe Bessermacher*innen stand er uns Rede und Antwort.

Die Pandemie bringt Kontaktbeschränkungen mit sich. Viele Gewerbe mussten zudem vorübergehend schließen - das hat auch Folgen für Arbeitnehmer. Foto: 3x5 

Was genau steckt hinter 3x5 und warum braucht es eine extra Spendenplattform zu Corona? 

3x5 ist eine Spendenplattform, die Menschen animieren soll zu spenden bzw. mehr zu spenden, als sie dies in normalen Zeiten tun. Dabei richten wir uns insbesondere an Menschen wie mich, die eine gesicherte Arbeit haben und während der Corona-Pandemie sogar weniger Geld als sonst ausgegeben, also im Ergebnis Geld gespart haben. Ich bin als Anwalt tätig und daher in der privilegierten Situation von der Corona-Krise nicht so stark betroffen zu sein – insbesondere finanziell. Meine Ausgaben haben sich sogar - bei gleichbleibenden Einnahmen - während des sogenannten Lockdowns deutlich reduziert. Gleichzeitig gibt es aber viele Menschen, die durch die Pandemie unter enormen finanziellen Druck geraten und derzeit auf externe Hilfe angewiesen sind. Und dies auch mittelfristig bleiben werden. Als ich meine Geburtstagsfeier wegen Corona absagen musste, kam mir dann die Idee, im Sinne der Solidarität eine Plattform nach dem Motto zu initiieren: Spenden statt sparen!

Unsere Plattform vereinfacht Spendenwilligen die Recherche nach geeigneten Organisationen, indem sie vorausgewählte Hilfsprojekte übersichtlich listet. Auch der Bezahlvorgang ist so vereinfacht, dass es zum Spenden nur ganz wenige Klicks braucht. Die gelisteten Initiativen stammen aus den Bereichen, die unter der Krise am meisten leiden und vermutlich auch langfristig Hilfe benötigen werden: Kultur, Familie und allgemeine Wohlfahrt und Gesundheit.

Ziel der Initiative ist es, vor allem Menschen, die zuvor entweder gar nicht oder im Verhältnis zu ihrem Einkommen wenig gespendet haben, zum Spenden zu ermutigen. Wir wollen den bestehenden „Spenden-Kuchen“ nicht umverteilen, sondern wirklich neue Spender und mehr Spenden erreichen. Dabei ist weniger relevant, wie viel eine Person verdient, obwohl diejenigen, die mehr haben, natürlich auch mehr spenden können. Im Idealfall wünschen wir uns, Nachhaltigkeit zu erreichen, sodass mindestens drei Monate 5% des Netto-Einkommens gespendet wird. Das klingt viel, ist aber bei Vielen weniger als sie im Frühjahr gespart haben. Daher – 3x5 - stammt auch der Name unserer Plattform. Wie hoch der Spendenbetrag am Ende tatsächlich ist, entscheidet aber natürlich jeder für sich selbst. Jede Spende hilft.

Warum sollten wir in der Corona-Krise so unbedingt spenden? Gibt es nicht ausreichend staatliche Hilfen? 

Derzeit herrscht die Meinung vor, dass der Staat finanziell für die Krise aufkommt. Viele halten momentan die Hand auf, um staatliche Mittel in Anspruch zu nehmen – und in der Mehrzahl der Fälle auch zurecht. Es gibt allerdings auch sehr viele Menschen, vermutlich sogar die Mehrheit, die weniger von der Krise betroffen sind und durch weniger Ausgaben während der Kontaktbeschränkungen und Schließungen Geld zur Verfügung haben, das andernfalls in den Wirtschaftskreislauf geflossen wäre. 

Häufig hört man von gutverdienenden Menschen, dass sie ja schon hohe Steuern zahlen und deswegen nicht noch zusätzlich finanzielle Beiträge leisten müssen. Das ist allerdings zu kurz gedacht, denn der Staat sind wir alle. Und in Krisenzeiten kommt es nun mal darauf an, dass alle entsprechend ihres Leistungsvermögens etwas beitragen und sich solidarisch zeigen. Wir möchten, dass dies freiwillig geschieht und nicht durch staatliche Sonderabgaben, die ja auch im Gespräch sind. 

Freiwillig zu spenden, hat auch den Vorteil, dass Spendenwillige so selbst entscheiden können, für was sie spenden und dadurch mehr Kontrolle darüber haben, was mit ihrem Geld passiert. Zumal die meisten staatlichen Hilfen in die Wirtschaft gehen und Wohlfahrt, Familie und Kultur zurzeit etwas zu kurz kommen.

Man kann sogar argumentieren, dass Menschen, die spenden, unterm Strich kein Geld verlieren, denn sie spenden lediglich ihre durch die Corona-Beschränkungen- entstandenen Überschüsse. Das ist Geld, das ohne die Pandemie ohnehin anderweitig ausgegeben worden wäre.

Dr. Fabian Niemann, Initiator von 3x5

Wie denken Sie wird Covid-19 unsere Wirtschaft und Gesellschaft verändern? 

Das Team von 3x5. Herr Niemann findet sich in der zweiten Reihe, außen rechts. Foto: 3x5

Die Antwort darauf ist bei mir Tagesform-abhängig. Manchmal bezweifle ich, dass das durch die Pandemie aufgekommene Gemeinschaftsgefühl uns langfristig erhalten bleibt. Derzeit stelle ich eher fest, dass dieser anfängliche Zusammenhalt doch sehr bröckelt. Die medial derzeit stark diskutierten Super-Spreading-Events, wie ausgedehnte Familienfeiern, schludrige Ausführungen der Hygienemaßnahmen oder auch Urlaubsreisen in Risikogebiete zeigen, dass Einige doch nur an ihr eigenes Vergnügen und die eigene Bequemlichkeit denken, obwohl sie damit Andere gefährden. Andererseits gibt es aber auch Menschen, die im Sinne der Gemeinschaft auf Vieles verzichten.

Wirtschaftlich könnte Deutschland von der Krise langfristig eventuell sogar profitieren, denn die Pandemie scheint insbesondere die unternehmerische Digitalisierung angestoßen zu haben. Außerdem manövriert Deutschland besser durch die Krise als andere Länder wie beispielsweise Großbritannien oder die Vereinigten Staaten. Ob Deutschland die Corona-Krise aber letztlich erfolgreich meistert oder nicht, hängt meines Erachtens aber auch davon ab, wie wir die zweiten Welle frühzeitig in den Griff bekommen und ob wir vermeiden können, dass es erneut zu massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens und insbesondere der Wirtschaft kommt. Wenn die allermeisten Menschen den Fokus auf Gesundheit, Wirtschaft und Schulen/Bildung setzen und bereit sind, nicht nur an das eigene Wohl zu denken, sondern sich um Andere zu sorgen, bin ich zuversichtlich.

Hat die Pandemie die Schere zwischen „arm“ und „reich“ weiter geöffnet? 

Ich mag diese Terminologie nicht besonders, da ich kein Freund von Pauschalisierungen und der Einordnung von Menschen in Gruppen bin. Tatsache ist aber, dass jede Krise überwiegend diejenigen hart trifft, die weniger verdienen und weniger Erspartes haben. Bei Corona kommt noch dazu, dass insbesondere Gewerbe von den Einschränkungen betroffen sind, in denen viele Selbstständige ohne Rücklagen und Geringverdiener arbeiten, wie im Kulturbereich, der Gastronomie oder im Einzelhandel. 

Und genauso dramatisch sind ja die sozialen Folgen, beispielsweise von Kita-Schließungen für Alleinerziehende, Schulschließungen für Kinder, deren Eltern sich weniger um die Bildung ihrer Kinder kümmern können oder/und wollen, und von Wohlfahrtsverbänden, denen Freiwillige und Spenden wegbrechen. Umso mehr liegt es jetzt in unser aller Verantwortung, einerseits frühzeitig eine substantielles Ansteigen der Infektionszahlen, was dann zwangsläufig wieder zu drastischen Einschränkungen führt, zu vermeiden und andererseits sich gemeinsam Gedanken zu machen, wie wir alle zusammen die Gesellschaft als Ganzes am besten unterstützen können. Spenden ist da ein wichtiger Bestandteil, beispielsweise über dreimalfuenf.de.

Spenden statt sparen ist das Motto der Spendenplattform. Foto: 3x5

Zu Gute kommen die Spenden von 3x5 über 20 Organisationen von Welthungerhilfe, DRK, Krebshilfe über die Deutsche Orchesterstiftung und den Deutschen Kinderschutzbund bis zu lokalen Tafeln sowie Kinderkrankenhäusern und -theatern.

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