Ob ich nicht etwas zu Purpose und der Generation Y schreiben wolle? Meine Ansicht als Berufsanfängerin und engagierte junge Frau dazu sei doch interessant. Klar, auf jeden Fall wollte ich das! Ging auch schon gut damit los, dass ich die erste Deadline verpeilt habe. Sorry Manu! Aber so scheint sie zu sein, meine Generation, die Millennials: faul, arrogant, anspruchsvoll. Zumindest wenn man den Vorurteilen so mancher „Experten“ Glauben schenkt.

Work-Life Balance ist mehr als eine Zeitfrage. Auch der Sinn muss stimmen. / Bild: Nanna-Josephine Roloff

Ja, wir sind anders. Wir sind in guten Zeiten aufgewachsen, zumeist auch wohl behütet. Man bezeichnet uns gemeinhin als digital natives, Bewohnerinnen einer sich digitalisierenden Welt und ohne unsere Smartphones sind wir angeblich nur halbe Menschen. Immer präsent und immer erreichbar. Unsere Eltern haben sich für uns krumm gemacht, in Jobs, in denen sie bestimmt nicht immer glücklich waren, auf deren Spielregeln sie selten Einfluss hatten – 9 to 5. Und hier sind wir: so gut ausgebildet wie keine Generation zuvor, vernetzt über und mit der ganzen Welt, tragen wir einige Ansprüche an unseren Arbeitsalltag, unser Leben heran. Wir hatten Zeit genug um zu reifen und uns über unsere Ziele im Leben klar zu werden.

Ziele, die in einer globalisierten und digitalisierten Welt durchaus gerechtfertigt sind. Die Arbeit nimmt wie gehabt einen Großteil des Lebens ein, doch die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmen immer weiter. Wie gehen wir damit um? Wir geben unserem Leben einen Zweck und haben das Ziel, unsere Zeit in allen Lebenslagen mit positiven Erlebnissen zu füllen.

Der Wunsch nach Corporate Social Responsibility

Diesen Wandel legt auch die jährlich erscheinende Deloitte Millennial Survey nahe: 90 Prozent der in Deutschland Befragten fühlen sich am stärksten durch die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit motiviert. Millennials möchten sich also mit ihrer Tätigkeit und ihrem Unternehmen identifizieren können und einen Sinn in dem erkennen, was sie tun.

Dieser Sinn reicht von sozialer Verantwortung, über demokratische Mitbestimmungsrechte, bis hin zu flexiblen Arbeitszeiten und Weiterbildungsmöglichkeiten. Wir respektieren unsere Vorgesetzten, möchten aber lieber eine Trainerin statt einer Chefin. Eine Mentorin statt einer Erzieherin und eine Team-Kultur mit gemeinsamen Werten, nach denen gelebt wird.

Offenbar scheinen das viele Unternehmen noch nicht mitbekommen zu haben. Immerhin gab mehr als jede dritte der befragten Personen an, binnen der nächsten zwei Jahre den Arbeitsplatz wechseln zu wollen.

Während der Wunsch nach Corporate Social Responsibility innerhalb der Purpose-Generation wächst, glauben ihre Vertreterinnen immer weniger daran, dass Unternehmen diese Aufgabe erfüllen. Nur ein Bruchteil ist davon überzeugt, dass Unternehmen ihr Handeln an ethischen Grundsätzen ausrichten. Stattdessen würden sie ohne Rücksicht auf die gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen weiterhin nur ihren Profit maximieren wollen. Insofern entwickelt sich die Arbeitswelt konträr zu den Wünschen junger Menschen. Diese wählten unter die Top 5 ihrer Vorstellungen erstrebenswerter Unternehmungen nämlich Umweltschutz und die Verbesserung der Gesellschaft in all ihren Facetten.

Foto der Autorin

Die hedonistischen Züge der Generation Y stehen in keinem Widerspruch zu ihrer Leistungsbereitschaft: Diese Generation will etwas bewegen, wenn man sie nur lässt!
/ Bild: Sven Rehder

Freiraum führt zu Erfolg

Ich schließe mich dem an. Ich möchte nicht nur für den Profit arbeiten, ich möchte die Welt ein Stückchen besser machen mit dem was ich tue. Und dafür habe ich nur dieses eine Leben lang Zeit. Deshalb ist dieser Blog im generischen Femininum geschrieben, denn Frauen haben ein Recht darauf in Sprache und Schrift sichtbar zu sein. Deshalb habe ich eine Petition gestartet, mit der ich gemeinsam mit über 85.000 Menschen gegen die sogenannte Tamponsteuer kämpfe. Deshalb habe ich mich für eine Agentur entschieden, die mein Engagement wertschätzt und unterstützt.

Und ich möchte mich selbst entwickeln können, begleitet von einer konstruktiven Feedback-Kultur und diese Erkenntnisse in die nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaft reinvestieren. Ich bin mit dieser Absicht nicht alleine: Bioläden boomen, nachhaltige Startups florieren und Non-Profit Organisationen entwickeln sich in allen Teilen der Gesellschaft. Ob nun die Umwelt oder die Demokratie gerettet werden soll: beides kennt kein Wochenende.

Es gibt sie – die, die schlafen, während der Klimawandel offensichtlicher denn je ist, rechte Ideologie wieder salonfähig wird und Gleichberechtigung der Geschlechter weiterhin nur auf dem Papier existiert. Wer jedoch kompetente Nachwuchskräfte haben möchte, sollte sich über seine vorhandene Firmenkultur Gedanken machen. Freiräume schaffen, Verantwortung sowohl abgeben, also auch übernehmen und seinen Mitarbeiterinnen die Wertschätzung entgegenbringen, die sie verdienen.

Intrinsische Motivation ist die stärkste von allen. Unser Sinn für eine Bestimmung im Leben unsere stärkste Kraft. Unternehmen, die dies fördern, werden am Ende nicht nur glückliche Mitarbeiterinnen haben, sondern auch die größeren Erfolge feiern können. Lasst uns Spaß haben an der Arbeit, unseren hedonistischen Wesenszug ausleben, den unsere Erziehung hervorgebracht hat. Lasst uns in Ruhe mit Predigten und Vorschriften. Wir können mit Kritik umgehen. Ihr bekommt dafür unsere Zeit, unsere Zeit, die uns so kostbar ist. Und so wird aus der Bedürftigkeit eine Selbstverständlichkeit.