Perspektivwechsel in der Kommunikation

Christiane Manow-Le Ruyet hat auf ihrem Karriereweg an vielen Stationen Halt gemacht und Erfahrungen gesammelt. Heute ist sie Chefredakteurin der Fachzeitschrift  e-commerce magazin, selbständige Kommunikationsberaterin und betreibt den Podcast Smart, smarter, Cities. Sie spricht mit uns über ihre Sicht auf die Kommunikation, über Offenheit und Toleranz und die Bedürfnisse der Menschen in einer digitalen Welt.

Christiane Manow-Le Ruyet, Chefredakteurin und Kommunikationsberaterin, über ihre PR-Karriere / Bild: Céline Manow-Le Ruyet

Eine Karriere, viele Perspektivwechsel

Es scheint, als haben Sie die ganze Klaviatur der Kommunikation bespielt, liebe Frau Manow-Le Ruyet – erzählen Sie doch einmal, was war das Besondere an den verschiedenen Stationen?

Nach einem Innenarchitekturstudium bin ich der beruflichen Aussichten wegen umgestiegen und fast zufällig im Journalismus gelandet. Aber damit hat sich eine riesige Bandbreite an Möglichkeiten aufgetan, von denen ich damals noch nichts ahnte: Ich habe als Volontärin bei einem Verlag das Handwerkszeug gelernt und danach als Redakteurin und Chefredakteurin bei verschiedenen Verlagen gearbeitet. Zudem war ich auch in der Unternehmenskommunikation tätig, war Marketing-Leiterin und Freiberuflerin, was ich bis heute bin. Schon recht früh entdeckte ich mein Interesse an IT und Digitalisierung. Dieses Interesse kann ich als Chefredakteurin beim e-commerce Magazin ausleben. Schon immer habe ich mich gerne auf Neues eingelassen und mich neuen Positionen und Anforderungen gestellt. Das finde ich bereichernd und ich schätze die Vielschichtigkeit sehr. Vor allem aber die Vielfalt der Themen. Heute beschäftige ich mich zwar vorwiegend mit technischen Themen wie IT, Digitalisierung und E-Commerce, aber ich habe auch schon für Online- und Print-Magazine gearbeitet, in dem es um Innovationen, Start-ups, Kochen, Nachhaltigkeit, Gastronomie und Hotellerie ging.

Am meisten bereichern mich die verschiedenen Perspektiven

Christiane Manow-Le Ruyet

Was macht Sie an Ihrem Job besonders glücklich?

Was ich besonders spannend finde ist, wie sich alle Teile meines bisherigen Weges nun zusammenfügen und ergänzen. Fast wie ein Puzzle. Es kommt mir zugute, dass ich in verschiedenen Bereichen gearbeitet habe. Schon bei der Innenarchitektur ging es verhältnismäßig technisch zu. Hier habe ich strukturiertes Denken gelernt, was mir vieles bei meiner Arbeit erleichtert. Jetzt jongliere ich zwar anstatt mit innenarchitektonischen Konzepten mit Worten, aber kreatives Denken ist geblieben. Und auch das Zeichnen: Ich fertige Sketchnotes an, also Erklärskizzen. Sie helfen dabei, komplexe Themen visuell darzustellen – eine prima Ergänzung zum geschriebenen Wort.

Gab es an bestimmten Punkten Momente des Zweifels?

Oh ja, die gab es! Ich habe öfters an der Kommunikationsbranche gezweifelt. Rückblickend war alles nicht immer rosig und reibungslos. Ich musste Rückschläge einstecken, wie zum Beispiel Jobverluste durch Kündigung oder musste gegen Vorbehalte meist männlicher Kollegen ankämpfen. Dennoch habe ich meine Meinung immer klar geäußert und neue Anregungen vorgebracht. Damit konnten jedoch nicht alle Vorgesetzten gut umgehen. Natürlich muss man sich als Angestellte bestimmten Vorgaben beugen. Für mich ist aber die Grenze der Anpassung erreicht, wenn ich mich selbst verleugnen muss. Eine schmerzliche Erfahrung. Doch sie hilft, um sich immer wieder zu reflektieren und sich auf Neues einzulassen. Besonders schön ist, dass ich jetzt Ideen umsetze und anstoße, die ich vor ein paar Jahren wohl noch verworfen hätte. Davon profitiere ich jetzt.

In Den Bereichen It und Digitalisierung müssen noch Rollenbilder aufgebrochen werden 

Kommunikation lebt von Diversität!

Christiane Manow-Le Ruyet

Allerdings ist die Branche, in der ich mich schwerpunktmäßig bewege, tückisch. Noch immer liegen Frauen gerade im Technik- und IT-Bereich, so blöd das auch klingt, Steine im Weg. Meines Erachtens liegt das zum einen an antiquierten Vorstellungen von Männern und zum andern am mangelnden Mut von Frauen, diese Strukturen zu überwinden. Digitalisierung und IT sind noch immer männerdominierte Branchen. Dabei gibt es so kluge und tolle Frauen in dem Bereich! Ich finde, es kommt wie überall, auf eine diverse Zusammensetzung an. Auch Kommunikation lebt davon, viele Perspektiven zu zeigen. Die sehen wir nicht, wenn nur eine Gruppe zu Wort kommt. Wir müssen auch in der Kommunikation alte Rollenbilder aufbrechen. Gerade als Kommunikatorinnen und Kommunikatoren haben wir meiner Meinung nach, den Auftrag, immer wieder neue Perspektiven aufzuzeigen.

Toleranz, Offenheit und Diversität

Was möchten Sie dem Kommunikationsnachwuchs an die Hand geben?

Vor allem junge Leute sollten ihre Ideen ausleben, umsetzen, sich nicht entmutigen lassen und: Neugierig bleiben! Wer in der Kommunikationsbranche keine Lust auf neue Lösungen, neue Unternehmen, neue Gespräche und Entwicklungen hat, bringt sich schnell ins Abseits. Sich selbst zu hinterfragen und sich selbst neu finden zu können gehört zu den wichtigsten Fähigkeiten von Kommunikationsprofis. Dazu gehört auch die Offenheit, auf Menschen zugehen zu können. Wichtig ist, sich eine Meinung zu bilden und auch dazu zu stehen. Aber immer mit der Offenheit, andere, konträre Meinungen zu respektieren und zuzulassen. Pflegt einen toleranten Umgang miteinander, das würde ich gerne dem Nachwuchs mitgeben. In der Unternehmenskommunikation würde ich mir zudem mehr Bescheidenheit und Ehrlichkeit wünschen. Die echten Botschaften der Hidden Champions gehen im lauten „Getöse“ der Großen oft unter.

Wer in der Kommunikation keine Lust auf neue Lösungen und neue Entwicklungen hat, bringt sich schnell ins Abseits

Christiane Manow-Le Ruyet

Warum haben Sie den Podcast Smart, smarter Cities ins Leben gerufen?

Zum Thema Smart Cities bin ich gekommen, weil es ein unheimlich spannendes Feld ist. Oft geht es um technische Lösungen, bei denen ich mich frage: Und wo bleibt hier der Mensch? Nicht jeder kennt sich mit allen Facetten der Digitalisierung aus. Der gesellschaftliche Aspekt der Digitalisierung kommt meiner Meinung nach noch zu kurz. Eine technische, digitalisierte Lösung für Smart Cities oder Smart Regions, ist nur so gut, wenn sie einfach zu bedienen ist. Ist sie intuitiv ist und es kommt jeder damit zurecht, ist sie perfekt. Viele Lösungen sind aber noch zu verkopft und kompliziert.

Bei Smart Cities interessiert mich vor allem die Frage: Wie gehen Menschen damit um? Was wünschen sich Menschen davon? Was verstehen sie darunter, wie stellen sie sich ihr Leben in Zukunft vor? Das fragen wir im IT-Journalismus leider eher selten. Über die Bedürfnisse von Menschen sprechen wir gerade in der Digitalisierung wenig. Da geht es vor allem um die Lösung. In meinem Podcast möchte ich aber auf die Sehnsüchte und Wünsche der Menschen eingehen und an die Öffentlichkeit bringen. Ich möchte technische Lösungen mit dem gesellschaftlichen Gefüge, in dem sie zum Einsatz kommen sollen, in Kontext setzen.

Beim Thema Smart Cities darf der Mensch in der KOmmunikation nicht fehlen

Im IT-Journalismus sprechen wir selten über die Bedürfnisse von Menschen

Christiane Manow-Le Ruyet

Wird sich in einer Smart City die Kommunikation verändern?

Corona hat einen großen Einfluss darauf, wie sich Menschen begegnen und kommunizieren. Das sehen wir gerade in den Städten. Als im vergangenen Jahr die Gastronomie noch unter Abstandsauflagen geöffnet sein durfte, hat sie an vielen Stellen dafür mehr Raum bekommen, indem etwa Parkbuchten besetzt werden durften. Wenn in einer zukünftigen Smart City die Verkehrsinfrastruktur so optimiert wird, dass mehr öffentlicher Raum entsteht, so ist das Raum, in dem sich Menschen begegnen können. Da eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten miteinander in Kontakt zu treten und Brücken zu bauen. Hier sehe ich die Kommunikation in der Pflicht zu vermitteln. Generell wünsche ich mir mehr Toleranz im Umgang miteinander, vor allem in bevölkerungsreichen Städten. Da muss sich in den Köpfen der Menschen noch viel tun, glaube ich. Und auf Lösungsseite muss innovativer gedacht werden und die Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden. Hier wünsche ich mir mehr Mut von Unternehmen, visionäre Ideen umzusetzen und nicht ausschließlich auf die Rentabilität zu achten. Ein Umdenken ist dringend nötig – auch in der Kommunikation.

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