Ein guter Berater ist jemand, der sein Gegenüber spiegelt, Hindernisse benennt, Probleme anspricht und ihm so hilft über sich hinaus zu wachsen. Jemand, der das Bestehende in Frage stellt, Überkommenes hinterfragt und neue Sichtweisen auf das Immergleiche eröffnet, und auf diese Weise zum Nachdenken über das eigene Tun und den richtigen Weg anregt.

I’m starting with the man in the mirror. I’m asking him to change his ways.

– Michael Jackson, „Man in the Mirror“

Allzu oft erleben wir aber, dass diese Eigenschaft nicht sonderlich gefragt ist. Gerade im Verhältnis Auftraggeber/Dienstleister wird von ersterem gern das Wörtchen „Dienst“ in Dienstleister überbetont. Auf Unternehmen und ihre Kommunikationsagenturen übertragen bedeutet das automatisch ein sehr asymmetrisches Verhältnis. Hier der Geber (von Auftrag, Geld, Jobs), dort der Nehmer (von Auftrag, Geld, Wünschen, oft auch Anweisungen) „in Diensten“ des Gebers.

Beratung ist gemeinsames Ringen um die beste Lösung

Natürlich sind wir als Kommunikationsagentur auch Dienstleister. Wir erledigen Dinge für unsere Auftraggeber, welche diese nicht selbst besorgen können. Sei es, weil ihnen die Kompetenzen, die Erfahrung, die Kontakte, die Zeit usw. fehlen, oder weil es einfach im Sinne einer arbeitsteiligen Organisation ist, Spezialaufgaben von Spezialisten erledigen zu lassen. Diese Dienste leisten wir gern, weil wir davon überzeugt sind, dass wir sie gut machen. Doch unser Selbstverständnis als Kommunikationsberatung endet nicht beim „Dienst am Kunden“.

In an Antique Mirror Bild: CC by-sa Stephcarter bei Flickr

Mindestens ebenso wichtig ist es uns, unsere Kunden zu „spiegeln“, ihre Wünsche und Aufträge zu hinterfragen und auf ihren Sinngehalt hin zu überprüfen. Wir verstehen das als zentrale Aufgabe des Kommunikationsberaters. Er stellt den Erwartungen des Kunden die eigene Erfahrung und einen scheuklappenfreien Blick auf die zu bewältigende Aufgabe entgegen.

Daraus soll natürlich kein Kampf entstehen, in dem Anspruch und Widerspruch gegeneinander stehen. Im Beratungsprozess ringen beide Seiten vielmehr miteinander um die beste Lösung für ein Problem. Der Austausch von Argumenten, die auf Erfahrungen, Ideen und ja bisweilen auch auf provozierenden Fragen basieren, ist der Kern der Beratung. Er ist aber nur dann fruchtbar und zielführend, wenn beide Seiten ein gemeinsames Verständnis davon haben, was sie da miteinander bewerkstelligen wollen.

Klartext reden heißt Sinn stiften – für Kunde und Agentur

Wir bei Oseon haben uns einen partnerschaftlichen Umgang mit unseren Klienten auf die Fahne geschrieben. Wir reden Klartext. Das ist nicht nur Anspruch, sondern gelebte Wirklichkeit, weil es Teil der Gründungsphilosophie von Oseon ist.

Das setzt den Rahmen und definiert Erwartungen, und zwar nicht nur die des potenziellen Kunden, sondern auch unsere eigenen. Haben wir nach dem Kennenlernen und einem Gespräch über die Kommunikationsaufgaben des möglichen Kunden das Gefühl, dass er eben „nur“ einen Dienstleister sucht, mit konstruktivem Widerspruch, Hinterfragen und dem offenen Wort aber nicht klarkommt, ist das für uns ein Stop-Signal. Wir setzen unsere Vorstellung von partnerschaftlicher Beratung zur Not auch ohne den Auftrag um.

Das mag angesichts des starken Wettbewerbs unter Kommunikationsagenturen gewagt erscheinen, hat aber einen guten Grund. Wir sind der Überzeugung dass unsere Arbeit dann Sinn stiftet, wenn sie das oben skizzierte Verständnis von Beratung in die Tat umsetzt. Der Sinn unserer Arbeit ist der Grund weshalb wir morgens ins Büro fahren und uns den täglichen Herausforderungen des PR- und Kommunikationsgeschäfts stellen. Wenn Arbeit Sinn-los wird, leiden Motivation, der Spaß am Job und letztlich die Produktivität. In einer Branche, in der qualifizierte und talentierte Mitarbeiter nicht auf den Bäumen wachsen, sind das Alarmsignale, die wir in der Geschäftsleitung nicht übersehen dürfen.

Unser Verständnis partnerschaftlicher Kommunikationsberatung ist also aus guten Gründen nicht verhandelbar. Wem aber diese Philosophie Lust auf ein gern streitbares, aber immer respektvolles Ringen um die beste Lösung für ein kommunikatives Geschäftsproblem macht, ist herzlich willkommen, sich von uns den Spiegel vorhalten zu lassen.