Warum PR-Agenturen mit Unis und Studierenden-Vereinen kooperieren sollten

Hochschulkooperationen sind dazu da, die reale Praxis und die Lehre miteinander zu verbinden. Dabei geht es aber nicht nur um den reinen Austausch von Wissen und den Einblick in die Berufswelt. Es reicht nicht, möglichst viel Fachwissen anzuhäufen und Theorien zu lernen. Nein, Studierende sollen so früh als möglich schon ziemlich genau erfahren, was sie im späteren Berufsleben erwartet, an Praxisbeispielen lernen – und eben schon erste, wichtige Kontakte in die Berufswelt knüpfen – und umgekehrt sind Kontakte zu ihnen nicht uninteressant, Stichwort Fachkräftemangel. Praxisnahe Projekte, Lehrbeauftragte aus der freien Wirtschaft, Themenabende, Vortragsreihen – die Möglichkeiten der Zusammenarbeit sind vielfältig. Und wenn es richtig läuft, entsteht ein richtig gutes Netzwerk und alle haben etwas davon – die Studierenden, die Fakultäten, die Unternehmen. Das gilt für alle Fachrichtungen und für alle Branchen. 

Wir als PR-Agentur haben von Frankfurt am Main aus bereits die Fühler ausgestreckt und blicken inzwischen begeistert auf unsere Aktivitäten und das entstandene Netzwerk: Gastvorträge an der Universität Mainz und an der Hochschule der Medien in Stuttgart, das Young Professionals Meetup von DPRG, kommoguntia und kommon zu Gast in unseren Räumen, Workshops wie etwa mit kommunikos am Campus Lingen. Wir können behaupten: Es ist großartig! Wie sehen wirklich fruchtbare und erfolgreiche Kooperationen zwischen der Berufswelt und der Lehre aus?

Interessante Einblicke in die Praxis sorgen für einen gefüllten Hörsaal. Foto: Miguel Henriques on Unsplash/CC 

Hochschulkooperationen können viele Formate haben

Für Agenturen und Unternehmen gibt es verschiedene Formate, mit denen sie an eine Hochschule herantreten können. Beim klassischen Lehrauftrag übernehmen Experten aus dem Berufsleben ein bestimmtes Modul und unterrichten dies mindestens ein Semester lang. Sicherlich eine der zeitaufwendigsten Möglichkeiten, denn es ist ja nicht mit der reinen Vorlesungszeit getan. Sprechstunden, Korrekturen, Präsentationen, ganz zu schweigen von der Vorbereitungszeit. Gerade für kleinere Agenturen ist es kaum leistbar, einen Mitarbeiter für solche Zeiträume von der Kundenarbeit freizustellen. Auch für die Hochschule spielt ein gewisses Risiko mit: Ist die Dimension des Lehrauftrags inhaltlich wirklich abgedeckt? Kann der Lernstoff vermittelt werden? Lernen die Studierenden das, was sie sollen? Immerhin will das Modul abgeschlossen, die Credit Points wollen erreicht sein.

Über eine Hochschulkooperation können Studierende direkt an Projekten mitarbeiten: Manchmal bringen Agenturen oder Lehrbeauftragte nach Absprache reelle Kundenprojekte mit, zu denen im Semesterverlauf gearbeitet wird. Für Studierende spannender als jede fiktive Idee – im besten Fall mit direktem Kontakt zum Kunden. Das fühlt sich schon fast wie der Ernstfall an – jedoch mit der Freiheit, sich im Rahmen der Ausbildung auszutoben und auszuprobieren. Hier schlagen kontaktfreudige Studierende gleich zwei Fliegen mit einer Klappe und zeigen nicht nur der Lehrperson, sondern auch noch dem Agenturkontakt und dem Kunden, was sie draufhaben.

Neben dem Zeitaufwand verbirgt sich allerdings eine weitere Gefahr: Sollte das Kooperations-Projekt so gar nicht zur Zufriedenheit des Kunden führen, vergällt das garantiert die weitere Zusammenarbeit auch ohne Uni-Projekt.

Es gibt aber natürlich noch weit weniger aufwendige Möglichkeiten, sich an Hochschulen und Universitäten einzubringen. Seien es einzelne Gastvorlesungen zu einem bestimmten Thema, Vortragsabende am Campus oder Vortragsreihen von Studierendenvereinen, die gerne eine Bühne bereitstellen. Auch hier kann schon ein weitreichender Einblick in die eigene Expertise und in die Arbeit gegeben werden. Und im anschließenden Gespräch werden die Netzwerke gespannt und persönliche Kontakte aufgebaut.

Für Studierende sind Lehrbeauftragte, die mit einem Bein in der Wirtschaft und mit dem anderen Bein in der Uni stehen, sehr willkommen. Immerhin ist die Chance enorm, nicht nur verstaubte Theorie zu lernen, sondern wirklich Einblick in das aktuelle Geschehen auf dem Markt zu bekommen. Außerdem repräsentiert die Lehrperson ja auch das eigene Unternehmen – und damit einen konkreten möglichen Arbeitgeber. Studierenden gibt das schon eine gute Vorahnung davon, ob sie sich eine Zukunft in diesem Unternehmen vorstellen können.

Talente finden und binden

Es gibt auch für die Seite der Lehrenden enorme Vorteile, einen direkten Draht zur Uni und Hochschule zu spannen. Stichwort Talentschmiede, Stichwort Fachkräfte sichern. Nirgends sonst können sich potentielle Arbeitnehmer und Arbeitgeber so gründlich kennenlernen, wie in Studienprojekten und Vorlesungsreihen. Auch für eine Agentur ist es immer gut, vom eigenen Trott und Tunnelblick losgelöst zu werden! Lösungsansätze, die nicht in der gewohnten Arbeitsroutine, sondern in den Köpfen unverbrauchter Studierenden entstehen, können doch zu einem unerwarteten Input, auch für die spätere, eigene Arbeit, führen.

Stellen sich die Lehrpersonen mit ihrem Unternehmen, ihrer Agentur in einem guten Licht dar, so zahlt dies wertvolle Punkte auf das Reputationskonto ein. Ein spannender Arbeitgeber weckt das Interesse seitens der Studierenden, sich dort zu bewerben, die Lehrperson wird zur/zum BotschafterIn des Unternehmens.

Glaubhaft durch ernstgemeinte Kooperationen

Aber Vorsicht! Nicht das Eigenmarketing steht im Vordergrund, sondern der Wissensaustausch. Sollte sich die Veranstaltung zu sehr als eine reine Selbstbeweihräucherung der Lehrbeauftragten herauskristallisieren, stößt das nicht nur bei den Studierenden sauer auf. Für Hochschule und Studierende ist dann doch der erfahrene Akademiker mit Weitblick ohne den direkten Praxisbezug die bessere und vor allem lehrreichere Alternative. Eine reine Reputationspflege darf nicht die Intention hinter der Kooperation sein. Der Aufwand muss realistisch eingeschätzt und im Verhältnis zum Nutzen stehen. Wenn die Hälfte der Vorlesungen etwa aus Termingründen ausfallen muss, ist das nicht nur ärgerlich für die Studierenden, sondern auch ein Eigentor für die Lehrperson und folglich für deren Agentur oder Unternehmen.

Netzwerken außerhalb der Hochschulmauern

Studierende möchten nicht nur im Hörsaal berieselt werden und Projekte im Rahmen der Studienleistung absolvieren. Netzwerken funktioniert in verschiedene Richtungen, auch außerhalb der Uni und nicht unter den Augen des Fachbereichs. Wenn Unternehmen und Agenturen Studierende zu sich ins Haus einladen, zeichnen sie ein genaues Bild von sich als potentieller Arbeitgeber. Es geht heutzutage nicht nur darum, dass sich Bewerber beim Unternehmen vorstellen müssen! Angesichts des Fachkräftemangels ist es auch in dieser Branche durchaus angebracht, sich als lukrativer, interessanter Arbeitgeber zu positionieren. Fernab vom Lehrplan können Unternehmen über ihre Lieblingsthemen sprechen, sich in den eigenen Räumlichkeiten vorstellen und im besten Licht präsentieren.

Wer schon ganz akut nach neuen Mitarbeitern, Trainees und Werkstudierenden sucht, kann gleich zum Trainee-Day aufrufen. Gut, wenn man da im Hochschulumfeld schon einen Namen hat. Für Studierende ist das eine gute Gelegenheit, sich die Agentur von innen anzuschauen und eben auch, sich schon mit Leistung und Persönlichkeit zu profilieren. Und im besten Fall am Ende eine Stelle in der Tasche zu haben.

Gehen Agenturen noch einen Schritt weiter und bieten ein Ausbildungsprogramm oder Praktikumsmöglichkeiten an, können sie darauf verweisen und Studenten bei Interesse mehr davon erzählen. Bei Oseon bieten wir etwa im Rahmen eines Dualen Studiums an der dapr einen Ausbildungsplatz in unserer PR-Agentur in Frankfurt an, und auch das verpflichtende Praxissemester in einem Kommunikationsstudiengang kann bei Oseon absolviert werden. Verbindliche Hochschulkooperationen wie jene mit der dapr sind ein Signal für Bewerber in der Kommunikationsbranche für ernstgemeinte und durchdachte Aus- oder Weiterbildungsangebote.

Ein anderer Weg mit Studierenden und Young Professionals in Kontakt zu kommen, ist über Alumnivereine, Studierendenorganisationen oder Initiativen aus dem Fachbereich, die bewusst das Bindeglied zur Wirtschaft und dem Arbeitsmarkt herstellen. Hier profitiert das gastgebende Unternehmen voll vom existierenden Netzwerk des Vereins oder der Initiative – zum Beispiel der erfolgreichen PR Nachwuchsinitiative 30u30. Die Initiatoren übernehmen meist die Planung und Bewerbung des Events. Der Gastgeber stellt sich in seinen Räumlichkeiten vor und liefert meist auch einen inhaltlichen Mehrwert zum Fachthema – und erntet dafür eine einmalige Netzwerk-Gelegenheit. Ein solcher Rahmen bietet sich bestens für eine Diskussion auf Augenhöhe an. Der informelle Rahmen eignet sich bestens dafür, auf persönlicher Ebene in Kontakt zu kommen, ohne den Erwartungsdruck eines Bewerbungsgesprächs oder Assessment Centers.
Wer erst einmal auf ganz neutralem Boden in eine Kontaktaufnahme starten möchte, kann auf Job- und Hochschulmessen auftreten und in die Welt der Studierenden blicken.

erfolgreiche Kooperationen zwischen PR und Hochschulen

Agenturen und Unternehmen im Allgemeinen tun gut daran, fruchtbaren Kontakt zu Hochschulen und Studierenden herzustellen und zu halten. Unabhängig davon, welches Format tragbar und leistbar ist, alle Seiten haben überzeugende Vorteile. Allen voran: Einblick in den aktuellen Stand der Lehre und der direkte Draht zueinander. Hochschulen bleiben am Puls der Wirtschaft und sehen, ob die Theorie auch in der Praxis Anwendung findet. Studierende und potentielle Arbeitgeber kommen in persönlichen Kontakt, noch bevor Bewerbungen verschickt und Stellenausschreibungen formuliert werden. Wohlüberlegt haben alle etwas davon!

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