Vom 6. bis 12. November findet die Fintech Week Hamburg statt. Wir haben deshalb mit Carolin Neumann, Co-Gründerin des Branchenmediums finletter und der Fintech Week Hamburg, über ihre Sicht auf die Fintech-Branche, ihr Medium und das kommende Event gesprochen.

Natürlich rühren wir die Werbetrommeln nicht ganz uneigennützig, denn auch Oseon ist in Hamburg mit dabei: mit unserem Workshop REDEN IST GOLD – ERFOLGREICHE FINTECH PR am 8. November.

Fachmedium zu Umwälzungen in der Fintech Branche

Oseon: Carolin, an wen richtet sich der finletter?

Logo finletter

Carolin: Die Leser*innen von finletter arbeiten vor allem in Fintechs und Banken, aber wir schreiben den Newsletter so, dass er auch für Fintech-Interessierte aus anderen Branchen, z.B. Kommunikation oder Beratung, relevant ist.

Oseon: Wieso wurde der finletter ins Leben gerufen? Was war euer Ziel?

Carolin: Es fehlte uns persönlich ein Fachmedium, das sich journalistisch auf die Umwälzungen in der Finanzbranche fokussiert. Also haben wir eines gegründet. Und da wir E-Mail-Newsletter für einen hervorragenden Weg halten, unterschiedlich digitale Menschen zu erreichen, haben wir uns im ersten Schritt darauf konzentriert.

Bild von Carolin Neumann, Co-Gründerin von finletter und Fintech Week
Carolin Neumann, Co-Gründerin von finletter und Fintech Week Hamburg / Foto by Rieka Anscheit

Oseon: Habt ihr dieses Ziel erreicht?

Carolin: Unser erstes Ziel hatten wir bereits erreicht, als wir noch in der Prototypen-Phase erkannt haben, dass es überhaupt genug Nachrichten für einen Newsletter gibt. Innerhalb kurzer Zeit haben wir eine organische Reichweite von 1.000 Leser*innen erzielt, das war super. Inzwischen haben wir für unser journalistisches Kernstück, den wöchentlichen Newsletter, eine sehr gut besetzte Redaktion – die Journalisten Andreas Maisch und Christina Cassala. Wir erreichen rund 4.000 Abonnent*innen mit dem finletter. Inzwischen haben wir neue Ziele: Wichtig ist uns, über den Newsletter hinaus für alle Fintech-Interessierten die Branche zu eröffnen, zum Beispiel durch einen Event-Kalender, Hintergrundberichte oder Experten-Einschätzungen mit Hilfe von Kolumnisten wie Tobias Baumgarten („About Fintech“) oder dem Blockchain-Experten Boris Janek. Das wollen wir 2018 stark ausbauen.

Oseon: Was macht euch am meisten Spaß bei eurer Arbeit? Gibt es bestimmte Themen, die ihr lieber behandelt als andere?

Carolin: Clas und ich arbeiten primär am Unternehmen und das bedeutet Ideen wälzen, Produkte entwickeln und testen. So entstand auch das Konzept zur Fintech Week. Dieses Experimentieren macht uns beiden sehr viel Spaß und ist wichtig, um finletter betreiben zu können, da mit einem journalistischen Produkt alleine etwas schwierig Geld zu verdienen ist, zumindest wenn man unabhängig und sauber arbeiten möchte.

Fintech Highlights – und Lowlights – 2017

Oseon: Welche Fintech-Gründung war euer Highlight (bisher) in 2017?

Carolin: Das Spannendste 2017 kommt für mich nicht von einem Fintech-Startup, sondern aus der klassischen Bankbranche. Mich hat überrascht, dass plötzlich von den Sparkassen und Genossenschaftsbanken mehrere mobile Angebote quasi als Konkurrenz zu N26 kamen. Yomo war ja schon einige Zeit bekannt, als die Sparkassen-Tochter 1822direkt noch eigenes Angebot auf den Markt brachte. Und dann rückten die Genossenschaftsbanken mit Bankomo nach. Ich finde es toll, dass die traditionellen Institute mit neuen Angeboten experimentieren, auch wenn sie manchmal etwas langsamer sind als die Fintechs.

Oseon: Welche Pleite/Insolvenz oder Übernahme kam am überraschendsten?

Carolin: Die Pleite von Cookies hat mich insofern überrascht, dass ich noch wenige Wochen vorher eine Werbesendung mit – ihr ahnt es – Keksen erhalten hatte. Und zu Avuba hatten wir gerade gemeldet, dass sie sich neu aufstellen,  als sie die Notbremse zogen.

Oseon: Habt ihr bei eurem ganzen Hintergrundwissen schon mal drüber nachgedacht, selbst ein Fintech zu gründen?

Carolin: Clas hat vor finletter bereits ein Fintech gegründet: finmar war eine der ersten Crowdlending-Plattformen Deutschlands. Den Betrieb hat er Ende 2015 eingestellt, aber jede Menge Learnings in die Gründung von finletter und der Fintech Week mitgebracht.

Oseon: Was sind für euch die drei „Must Go“ Fintech Events (oder euer Lieblings-Fintechevents)?

Carolin: Was können wir da anderes sagen als Fintech Week? Im Ernst: Wir sind da als Veranstalter natürlich voreingenommen, wenn wir unsere liebstenFintech-Events nennen sollen. Außerdem sind wir mit finletter regelmäßig Medienpartner von Fintech-Meetups oder großen Konferenzen.

Die Fintech Week Hamburg bringt die Branche zusammen

Oseon: Was führte zur Gründung/Einführung der Fintech Week Hamburg?

Carolin: Die Fintech Week Hamburg haben wir 2016 aus dem Bedürfnis heraus gegründet, das Thema Fintech mal aus allen Perspektiven zu beleuchten und eine Brücke zu schlagen zwischen den Tech-Unternehmen und der noch nicht so digitalisierten Welt. Es gibt bereits viele tolle Events und Reihen, die sich mal mit Fintech beschäftigen könnten und sollten. Wir sind stark als Anbieter eines Rahmens für diese Vielzahl von Events und bringen sehr gerne die Community zusammen.

Oseon: Wie viele Teilnehmer erwartet ihr zur diesjährigen Fintech Week Hamburg im November?

Carolin: Wir erwarten zwischen 6. und 12. November rund 1.500 Besucher*innen.

Oseon: Was ist – eurer Meinung nach – der Grund dafür, dass die Fintech Week Hamburg so gut angenommen wird und in kürzester Zeit eine solche Größe angenommen hat? War eine solche Veranstaltung schon längst überfällig oder wart ihr „einfach nur“ mit einer guten Idee zur richtigen Zeit am richtigen Ort?

Carolin: Beides. Eine solche Veranstaltungswoche gibt es zum Beispiel bereits in London. Wir haben uns gefragt, warum es in Deutschland bislang kein solches Angebot gibt. Und unser Ziel, die Branche mal für eine Woche zusammenzubringen und damit auch deutschlandweit ein Augenmerk auf das Thema Fintech zu setzen, teilen offenbar viele gemessen an unseren Besucherzahlen.

Oseon: Wieso findet die Fintech Week überhaupt in Hamburg statt?

Carolin: Wieso in Hamburg? Die einfache Antwort: Weil wir Gründer – Clas Beese und ich gemeinsam mit Robert Beddies – hier leben, arbeiten und unser stärkstes Netzwerk haben. Aber aus der Erfahrung der ersten Fintech Week können wir auch sagen, dass es der Branche gut tut, sich mal nicht in Frankfurt oder Berlin zu treffen und das Fachliche mit dem ewigen lästigen Standort-Kampf zu vermischen.

Eine zukunftsfähige Branche

Oseon: Was gefällt euch so gut an der Fintech Week Hamburg?

Carolin: Wir finden die Erkenntnis sehr spannend, dass Fintech kein Hype ist, sondern relevant für Akteure quer durch die Finanzbranche. Die Fintech Week Hamburg ist ein Ort, wo die Leute zusammen kommen, sie lebt von und mit Fintechs und Banken nebeneinander und zusammen. Es ist schön zu sehen, dass alle an der Zukunftsfähigkeit ihrer Branche arbeiten.

Oseon: Was gefällt den Teilnehmern an der Fintech Week Hamburg?

Carolin: Ich hoffe, dass sich das mit dem deckt, was auch uns so gut an der Woche gefällt. Aus Gesprächen wissen wir, dass unsere Teilnehmer*innen die Vielzahl des Programms und der möglichen Kontakte schätzen. Sie treffen sich vielleicht sonst auf klassischen Konferenzen in Frankfurt, aber wir bieten darüber hinaus noch weitere, zwanglose Formate.

Oseon: Habt ihr Pläne, die Fintech Week Hamburg öfter im Jahr, auch an anderen Standorten, stattfinden zu lassen?

Carolin: Keine konkreten, aber sag niemals nie.