Einfach mal Nein sagen

Zurückpushen, klare Kante zeigen oder einfach mal eine dumme Idee auch als solche entlarven. Was so simpel klingt, fällt gerade als Dienstleister nicht immer leicht. Wir versuchen, es Kunden oder Journalisten recht zu machen. Dabei ist ein klares „Nein“ teilweise nicht nur erfrischend ehrlich, es ist auch Teil unseres Auftrags als Berater!

Der Autor war sich seines guten Geschmacks und der Bedeutung des Worts "Nein" schon früh bewusst.

Nicht selten kommen Kunden mit einer Themenidee auf uns zu, die sie in den Medien platziert sehen wollen. Nicht selten wissen wir auf Anhieb, dass sie niemanden interessieren wird. Zu ausgelutscht, zu banal, zu werblich. „Machen wir eine Pressemitteilung dazu. Das Thema selber ist doch eine News wert!“. Orrr…. Nutzlose Füllmenge für die ohnehin schon berstenden Inboxen der Redaktionen. Der Kunde hat natürlich einen anderen Blick auf seine Themen und interne Entwicklungen als wir oder die Welt da draußen. Außenperspektive aufzeigen ist das Stichwort und vor allem unser Auftrag. "Augen zu und durch!" darf hier nie unser Mittel der Wahl sein.

Ein Nein hat einen Grund

„Nein“ ist schnell gesagt. Als Berater gegenüber dem Kunden sowie als Partner gegenüber dem Journalisten schulden wir aber auch eine Begründung. Klar, oft lehrt uns die Erfahrung oder zumindest unser Bauchgefühl, dass eine bestimmte Taktik nicht zum Erfolg führt oder über das Ziel hinausschießen wird. Dieses Bauchgefühl klar zu artikulieren und gar nachvollziehbar zu begründen ist nicht immer ganz einfach. „Weil…“ ist aber ebenso wichtig wie das „Nein“.

Wir dürfen keine Angst vor dem „Nein“ haben, nur weil uns das „Weil“ vielleicht nicht direkt so leicht von den Lippen geht wie die Negation. Wir sind es unseren Kunden und Partnern schuldig, im Zweifel noch eine zweite Meinung einzuholen. Wir sind es ihnen schuldig, unsere Einschätzung zu begründen und gegebenenfalls auch nochmal mit Daten und Fakten zu belegen. Erst wenn ein „Nein“ auch begründet und belegt ist, kann es als Basis für weitere Diskussionen und zukünftige Entscheidungen dienen.

Gerade auch jüngere Kollegen, die vielleicht häufiger mit der Presse sprechen als strategisch arbeitende Senior-Kollegen, sind hier gefragt. Der Junior kann die Relevanz eines Themas möglicherweise deutlich besser einschätzen als eine Senior-Kollegin, weil er oder sie im täglichen Austausch mit den Redaktionen steht. Auch hier gilt es, die eigene Einschätzung nicht herunterzuschlucken, sondern sachlich einzubringen.

Ein Ja mit aber

Eine Entscheidung mit Begründung kann im weiteren Verlauf auch bewertet und in einen anderen Kontext gestellt werden. Eine Meldung zu einem Award-Gewinn kann sehr wohl Sinn ergeben, wenn sie über unternehmenseigene Kanäle an die Zielgruppen herangetragen wird, die sich dafür interessieren. Ein Interview zu einem auf den ersten Blick vielleicht abwegigen Thema kann Sinn ergeben, wenn es die Möglichkeit bietet, entweder so den Kontakt zum Redakteur zu intensivieren oder im gleichen Zuge Nebenthemen aufzumachen.

Und wenn der Kunde trotz eindeutiger Beratung darauf besteht, ein Thema durchzudrücken, dann ist auch er in der Pflicht, seine Entscheidung zu begründen. Es gibt natürlich Entscheidungen, die wir auch akzeptieren müssen. Aber ganz gleich, wie sie zustande kommen, es gibt immer einen Weg, die Weichen für bessere Entscheidungen in der Zukunft zu stellen.

Nein braucht Alternativen

Ein „Nein“ alleine nimmt keine(n) von uns aus der Pflicht. Denn nur weil etwas nicht so funktioniert, wie es sich der Kunde vorstellt, heißt das nicht, dass es keine Alternativen gibt. Nochmal: Wir müssen unserem Kunden ein partnerschaftlicher Berater sein. Will der Kunde also ein Thema in einem bestimmten Format platziert sehen und wir halten begründet dagegen, sollten wir hinterfragen, was der Kunde mit seiner Idee eigentlich erreichen wollte? Gibt es vielleicht andere Möglichkeiten zum Ziel zu kommen? Können wir andere Wege aufzeigen oder einen Alternativvorschlag machen?

Haltung, Baby

Es gibt Dinge im Agenturalltag, die sind nicht verhandelbar. PR für bestimmte Themen zum Beispiel. Oder Pressemitteilungen nachtelefonieren. Bei Oseon haben für uns klar definiert, dass wir soetwas nicht machen. Wir sind der festen Überzeugung, dass wir damit nicht nur Redaktionskontakte verärgern, sondern langfristig sogar zerstören. Bei einer großen, überregionalen Tageszeitung zum Beispiel gibt es einen leitenden Tech-Redakteur, der entsprechende Kollegen in seinem Telefonbuch markiert, um in der Folge nicht mehr ans Telefon zu gehen, wer er die Nummer sieht.

Ein „Nein“ (mit entsprechender Begründung) zeugt von Respekt der Aufgabe gegenüber. Es zu akzeptieren zeugt von Vertrauen. Es ist die Basis partnerschaftlicher Zusammenarbeit. Drum lasst uns alle mehr „Nein“ wagen, da wo es Sinn macht.

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