Auf dem Weg zur KI-getriebenen PR-Agentur

Ich bin kein nostalgischer Mensch. Zwar mag das Gestern oder Vorgestern die Herkunft bestimmen und Identität stiften, doch für mich zählt der Blick nach vorn mehr. Was kommt auf uns zu? Was bedeutet das für unsere Demokratie, unsere Wirtschaft und jede:n von uns ganz persönlich? Mit diesen Fragen beschäftige ich mich seit Beginn meiner Laufbahn als Kommunikator. Sie sind der Grund, weshalb ich mich in meinen inzwischen fast 24 Jahren als Agenturmensch nie wirklich gelangweilt habe. 

Dennoch erreichen wir Mitte 2026 einen Meilenstein, der einen kurzen Rückblick rechtfertigt. Vor einem Jahr begann für uns eine neue Zeitrechnung, als wir die Teams von Oseon aus Frankfurt und Hamburg mit den Kollegen von YPS aus Köln in einer Agentur zusammenbrachten. Für beide Teams war das ein großer Schritt. Beide Agenturen inhabergeführt, beweglich, mit einem engagierten Team – aber unterschiedlich alt, Oseon schon 17 Jahre, YPS erst fünf, und mit spürbar unterschiedlichen Kulturen. 

Und was ist daraus geworden?

Sprung in die Top 50 der deutschen PR-Agenturen

Dafür muss ich etwas ausholen. Die Inhaber-Teams beider Agenturen fanden zusammen, da sie in einer Marktphase, die wenig organisches Wachstum hergab, ihr Umsatzwachstum beschleunigen wollten. Sehr frei nach dem Motto „Mehr hilft mehr“ war „Größerwerden“ durch eine Fusion ein attraktives Ziel – bei Marktauftritt, Neugeschäft, Serviceportfolio, Teamauslastung und Fähigkeiten des Teams.

Das heute erschienene „Pfeffer-Ranking 2026“ des PR-Journals zeigt: Das Ziel haben wir erreicht. Oseon springt im Gesamtranking von Platz 60 im vergangenen Jahr auf Platz 47 in diesem Jahr.

Endlich „Top 50 PR-Agentur“ in Deutschland! Das macht uns stolz und spornt uns an, diese Platzierung mindestens zu halten. Der Blick auf unsere Mitbewerber um Kunden mit Zukunftsthemen zeigt jedoch, dass viele von ihnen Federn lassen mussten.

Zudem ist die aktuelle Situation nicht dazu angetan, sich allzu hohe Wachstumsziele für die nächste Zeit zu setzen. So ehrlich sollte man sein. Die Weltlage ist zu volatil, die Richtung der Bundesregierung und die Frage, ob ihre Reformen das Wirtschaftswachstum wieder anschieben werden, sind noch zu unklar und das Tempo technischer Innovation, besonders durch Künstliche Intelligenz, ist fast halsbrecherisch – gerade auch bei Agenturen.

Und doch freuen wir uns nach einem Jahr „bigger Oseon“ über einen weiteren Standort in Köln und neue Kolleg:innen, die unseren Weg durch die aktuellen und kommenden Zukunftsthemen mitgehen wollen. Und wir freuen uns über die Tatsache, dass wir jetzt die besten Voraussetzungen haben, um in nächster Zeit auch das Geschäftsmodell der PR-Agentur in erweiterter Leitungsrunde zukunftsfähig zu machen.

KI als Zündfunke für Noch-nie-Gemachtes

Damit genug des Rückblicks! Schließlich ruft die Zukunft, und wir von Oseon machen uns gerade als Gesamtteam auf, von einer „AI-enhanced agency“ zu einer „AI-driven agency“ zu werden. Das bedeutet, dass wir, wo wir bislang viele alltägliche Aufgaben einer Kommunikationsagentur mithilfe von KI schneller und komfortabler erledigt haben, dieses Know-how künftig systematisch für die Optimierung und qualitative Anreicherung all unserer Prozesse nutzbar machen werden. Wo es sinnvoll ist, werden wir zudem automatisieren.

Dafür machen wir zuerst das derzeit noch verteilt vorhandene, implizite Wissen für alle sichtbar. Es gibt hier einen Coverage-Analyse-Bot, dort einen Themenmonitoring-Assistenten und im dritten Team einen Hack, wie sich vermeintlich verräterische „KI Floskeln“ in Texten mit KI wieder eliminieren lassen. Allesamt nützlich, aber noch nicht so zusammenhängend, wie sie sein könnten.

Erste Austauschrunden dazu gab es schon, und sofort flogen tausend Ideen durch den Raum. Unsere Sommerwerkstatt im August (ein Offsite für das ganze Team) wird ganz unter dem Motto stehen „Wie würden wir als Agentur arbeiten, wenn alles möglich wäre?“

Die Tätigkeiten einer PR-Agentur sind im besten Fall in saubere Prozesse gegossen, deren Aufgaben sich jetzt mit fast unendlichem Kontextwissen anreichern und umfassend automatisieren lassen. Die daraus resultierenden Effizienzgewinne sind sicher ein Wettbewerbsvorteil für uns. Richtig spannend wird KI jedoch erst, wenn sie Wertschöpfung für unsere Kunden schafft, die ohne KI in der Kommunikation völlig utopisch gewesen wäre.

Ein paar Beispiele: Wenn ein Professional-Services-Unternehmen mithilfe von Trendanalysen einige Monate früher als ein Mitbewerber erkennt, was seine Kunden bald beschäftigen wird, hat es einen Vorteil im Vertriebsprozess. Die Kommunikationschefin eines Energieunternehmens könnte ihren Beitrag zum Erfolg ihres Arbeitgebers besser belegen, wenn endlich kostengünstig nachweisbar wäre, ob Botschaften nicht nur bei der Fachpresse, sondern auch bei den relevanten Stakeholdern verfangen. Wenn die PR-Agentur ihre Themenideen zudem nicht mehr nur nach Quartalsplan, sondern nach tagesaktueller Nachrichtenlage vorbringen und sofort kanalübergreifend umsetzen kann, wird KI zum Turbo für die Kommunikation jedes Unternehmens.

Und doch bleiben wir unpromptbar

Für die nächste Phase einer von KI angetriebenen Oseon gehen wir davon aus, dass jedes „man müsste eigentlich mal“ von früher die Chance auf eine smarte Lösung von heute birgt. Die freie Kombination all dieser Lösungen wird das Geschäftsmodell einer mittelgroßen Top-50-Agentur wie der unseren in einem heute noch kaum geahnten Ausmaß bereichern und erweitern.

Bei allem Zukunftsoptimismus, was das Modell der PR-Agentur betrifft, und bei aller Begeisterung für das Potenzial der Künstlichen Intelligenz ist uns aber auch klar, dass Kommunikation von und für Menschen gemacht wird. Sie soll informieren, aufklären, mobilisieren, überzeugen und unterhalten. Und das können menschliche Empathie und Kreativität dann doch am besten.

Oder findet ihr Claude.ai hier etwa witzig?

Kommen zwei PR-Berater in eine Bar… 

 

 

...und einer sagt: „Wir sind nicht in einer Bar. Wir befinden uns in einem exklusiven, erlebnisorientierten Getränkekonzept."

 

 

Der andere nickt: „Und wir trinken nicht – wir investieren in unsere Work-Life-Balance."

Claude.AI Sonnet's Idee von Witz.

In diesem Sinne,
Onward and stay unpromptable!

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