Gelungene Pressefotos von Unternehmenssprechern sind in der PR sehr wichtig. Portraitfotos eignen sich hierfür besonders und sollten von einem professionellen Fotografen aufgenommen werden. Um wirklich gute Bilder zu erhalten, sollten Sie dabei ein paar Dinge beachten. Die wichtigsten Tipps und wie Sie zur Not auch selbst gute Bilder schießen, haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Gute Pressefotos – so gelingen Ihre Aufnahmen

Die Wahl der richtigen Kleidung für das Portrait

Vor dem Termin mit dem Fotografen gilt es, sich über unternehmensinterne Vorgaben zum Erscheinungsbild zu informieren, besonders für einen visuell einheitlichen Auftritt auf der Website oder in Broschüren. Bringen Sie zum eigentlichen Shooting Ihrer Pressefotos gern zwei verschiedene Outfits zur Auswahl mit. Die Herren auch verschiedene, dezent gestreifte Krawatten, um offizielle Aufnahmen in Anzug sowie lockere Motive im Business-Casual-Look zu erhalten. Die Damen stellen sich auf Bilder im klassischen Blazer oder Kostüm und ebenso lockerere Bilder im Casual-Business-Look ein. Wählen Sie dabei Kleidung, in der Sie sich wohl fühlen und die weder zu locker noch zu stramm sitzt. Sie sollte zudem Ihrer Branche und Position entsprechen. Ein C-Level-Mitarbeiter oder Geschäftsführer wählt eher einen klassischen Anzug. Der Gründer eines Startups macht auch in gepflegter Jeans mit Hemd und Blazer einen guten Eindruck.

Tragen Sie keine Kleidung mit aufgedruckten Unternehmenslogos, da Medien diese ungern abdrucken. Bei der Farbwahl achten Sie auf gedeckte Farben wie Dunkelblau oder Anthrazit bei Anzügen und Blazern. Hellgrau, Hellblau oder Zartrosé eignen sich für Blusen und Hemden. Mit diesen Farben wirken Sie auch bei Studioaufnahmen nicht zu blass. Ob Sie Schwarz oder Weiß tragen können, hängt von Ihrem Typ und individuellem Stil ab. Im Zweifel fragen Sie den Fotografen nach seiner Meinung. Grelle Farben oder starke Musterungen sollten Sie jedoch unbedingt vermeiden.

Haare und Make-up für Portraitaufnahmen

Eine gepflegte Frisur ist für einen seriösen Eindruck unerlässlich. Herren und Damen mit kurzen Haaren können ein bis zwei Wochen vor dem Fototermin ihre Haare nachschneiden lassen, damit die Haare sitzen, aber nicht wie „frisch geschoren“ wirken. Lange Haare können offen getragen werden oder gebunden. Sie sollten frisch gewaschen und gebürstet sein. Bei gefärbtem Haar sollte darauf geachtet werden, dass kein Ansatz zu sehen ist. Unabhängig von Haarschnitt und Länge sollten Sie Ihr Haar nach dem Frisieren mit Haarspray fixieren, damit nichts „fliegt“ oder unerwünschte Strähnen die Bildauswahl erschweren. Das gilt sowohl für Damen als auch Herren.

Damen tragen ein leichtes Make-up mit Puder zur Mattierung, einem dezenten Augen-Make-up und einem neutralen Lippenstift. Pink oder knallige Töne sollten Sie meiden. Männer sollten zumindest die Augenbrauen in Form bürsten und ein neutrales Puder auflegen, um ungewünschten Glanz im Gesicht zu vermeiden. Bei Bedarf kann für das Shooting auch ein Visagist gebucht werden. Das gilt vor allem für Männer und Frauen, die zu Hautunreinheiten oder rötlicher Haut neigen.
Beispiel eines guten Pressefotos / Fotograf: T.W. Klein Frauen sollten besonders darauf achten, dass ihre Haare gut liegen und nichts fliegt. Brillenträger können diese auch gern auflassen / Bild: T.W. Klein

Pressefotos erfordern vielfältig Motive und Formate

Achten Sie darauf, dass genug unterschiedliche Motive geschossen werden: stehend, sitzend, im Querformat, im Hochformat, lächelnd oder lachend und mit ernstem Gesichtsausdruck. Je nachdem, für welchen Zweck die Bilder im Nachgang verwendet werden, eignen sich verschiedene Formate und Ausdrücke.

Achten Sie während des Shootings darauf, dass Ihre Kleidung keine unerwünschten Falten wirft oder Fussel anhaften. Sagen Sie dem Fotografen auch gern noch einmal, dass er ebenfalls ein Auge darauf haben soll. Im Idealfall gehen Sie ohnehin nicht allein zum Fototermin, sondern nehmen Ihren PR-Verantwortlichen mit. Während Sie sich auf Ihre Ausstrahlung konzentrieren, kann Ihre Begleitung auf Äußerlichkeiten achten.

Der richtige Hintergrund beim Portrait

Bilder im Büroumfeld, in interessanter Architektur oder gar im Freien können sehr wirkungsvoll sein. Achten Sie aber auf jeden Fall darauf, dass Sie auch Bilder mit neutralem Hintergrund machen lassen. Sie werden Sie für sogenannte „Freisteller“ brauchen.

Vermeiden Sie Signalfarben im Hintergrund: Sie lenken den Blick des Betrachters unnötig ab. Farbwiederholungen – beispielsweise die Wiederholung des Tons eines gedeckten, rotbraunen Pullis des Portraitierten durch eine herbstlichen Hintergrund – sorgen hingegen für Harmonie und Stimmigkeit.
Beispiel eines guten Portaitfotos / Fotograf: T.W. Klein Männer können mit einem dezenten Anzug und einer leicht gemusterten oder gestreiften Krawatte für ein gutes Business-Foto kaum etwas falsch machen / Bild: T.W. Klein

Die richtige Körperhaltung

Hören Sie bei der Körperhaltung auf den Fotografen. Einige Posen mögen sich seltsam anfühlen, aber der Fotograf kann mit dem Blick durch die Linse und aus Erfahrung am besten einschätzen, was tatsächlich gut aussieht und wie Sie am besten zur Geltung kommen.

Generell tun Sie gut daran, aufrecht zu sitzen oder zu stehen, aber die Schultern dabei nicht verkrampft zu den Ohren zu ziehen. Wenn die Hände mit auf das Bild sollen, halten Sie sie kurz vor dem Shooting etwa 30 Sekunden nach oben über den Kopf. So entweicht das Blut aus den Händen ein wenig, die Farbe passt sich besser der des Gesichts an und die Adern auf den Händen verschwinden. Das wirkt nachher auf dem Bild, besonders bei Frauen, geschmeidiger. Ihre Hände sollten auf dem Bild jedoch keine zu künstliche Pose einnehmen. Der klassische „Denker“ kann mitunter doch sehr gestellt wirken – ebenso die „Merkel-Raute“.

Die Vorauswahl gemeinsam mit dem Fotografen besprechen

Das Ziel eines guten Shootings sind Fotos, die Ihnen gefallen und mit denen Sie gern an die Öffentlichkeit gehen. Daher nehmen Sie sich die Zeit und begutachten Sie die Aufnahmen bereits während des Shootings oder direkt im Anschluss. Die Vorabauswahl während des Shootings bietet Ihnen die Möglichkeit ein paar Wünsche zu äußern, sollten Sie mit dem Zwischenergebnis noch nicht so richtig zufrieden sein. Noch ist Zeit für Nachaufnahmen oder um mögliche Korrekturen in der Bildbearbeitung zu besprechen.

Der Fotograf sollte Ihre Aufnahmen in Farbe ausliefern. Per nachträglicher Bildbearbeitung Schwarz-Weiß-Aufnahmen zu erhalten ist kein Problem. Schwarz-Weiß-Bilder in Farbaufnahmen umzuwandeln geht hingegen nicht.

Pressefotos selbstgemacht – die wichtigsten Grundregeln der Fotografie

Natürlich ist gerade bei Pressefotos der Gang zu einem professionellen Fotografen immer die erste Wahl. Drängt die Zeit jedoch oder ist das Budget stramm, können Sie selbst zur Kamera greifen. Wir geben Tipps, worauf man bei der pressetauglichen Portraitfotografie achten sollte.

1. Der Bildaufbau – Drittelregel und Fokus

Bei einem klassischen Portrait sollte die Person mit ganzem Kopf bis etwa zur Mitte des Bauches scharf zu sehen sein, also auf der Schärfenebene liegen. „Am besten fokussiert man auf die Augen, diese sollten auf jeden Fall scharf zu sehen sein und idealerweise im oberen Drittel des Bildes liegen“, sagt Kasper Fuglsang, Hamburger Fotograf. Natürlich sind auch Ganzkörperportraits möglich, die bei ausreichender Auflösung auf den Oberkörper oder das Gesicht reduziert werden können.

Die „Drittelregel“ gilt nicht nur für die Augen eines Portraits. Generell wirkt ein Bild harmonischer und interessanter, wenn man diese Faustregel beachtet. Teilen Sie das Foto dazu gedanklich in neun gleich große Teile. Das Hauptmotiv, also die abgebildete Person, sollte dann auf einem der vier Schnittpunkte in der Mitte liegen.

2. Linien im Bild – Tiefe und Spannung

Durch Linien in einem Bild erzeugen Sie einen Fluchtpunkt und somit Tiefe. Sie bringen so mehr Spannung in das zweidimensionale Bild. Absteigende Diagonalen (von links oben nach rechts unten) wirken ruhiger und leiten den Betrachter oft zu schnell aus dem Bild heraus. Aufsteigende Diagonalen (von links unten nach rechts oben) hingegen halten den Blick länger im Bild und wirken anregender.

Stellen Sie den Portraitierten nicht zu tief in einen Ecke. Das vermittelt leicht den Eindruck, als sein die Person in die Enge getrieben und ist damit eher unglücklich für ein positives Portraitfoto. Vermeiden Sie auch eine waagrechte Linie in der Bildmitte, da sie das Bild in zwei schneidet. Mehrere Waagrechten hingegen schaffen räumliche Tiefe und Struktur, während eine senkrechte Linie Stabilität vermittelt. Spitze Winkel wirken schnell aggressiv, stumpfe Winkel hingegen entspannend und beruhigend.

Achten Sie zudem darauf, dass dem Modell nichts „aus dem Kopf wächst“. Das kann ein Ast hinter dem Menschen sein, die Querstrebe einer Fensterbank oder vielleicht ein Baugerüst.

Beispielbild Fluchtpunkt by Ryan McGuire

Beispielfoto Fluchtpunkt / Bild: Ryan McGuire via Stocksnap

3. Hintergrund: Das Gesamtbild muss stimmen

Es ist wenig sinnvoll, den Chef eines Fintech-Unternehmens mit einer Küchenzeile im Hintergrund abzulichten. Zu einem Fotografen oder Anbieter von Foto-Equipment passt das hingegen sehr gut. Das „natürliche Habitat“ des zu Portraitierenden spielt also eine wichtige Rolle. Sie fahren deshalb mit einem neutralen Hintergrund ohne unästhetische Gestaltungselemente wie Heizkörper, unaufgeräumte Schreibtische, hässliche Bürowände oder -technik, Wasserflaschen oder anderen Nippes am besten. Einfarbige, neutrale Hintergründe haben auch den Vorteil, dass Sie das Portrait anschließend besser freistellen können.

Als Grundregel gilt: Alles, was auf dem Bild zu sehen ist, soll auch bewusst zu sehen sein.

4. Die richtige Belichtung ist das A und O

„Licht sehen und verstehen“, proklamiert Fuglsang als eine Art Mantra. Die richtige Ausleuchtung ist ein sehr wichtiges Element der Fotografie – egal ob mit künstlichem oder natürlichem Licht, oder einer Kombination aus beidem. Je nachdem für welches Licht wir uns entscheiden, geben wir dem Menschen auf dem Portrait schnell einen gewollten oder auch ungewollten Charakter mit.

Das Rembrandt-Licht: Wird heute noch für klassische Portraitaufnahmen verwendet. Die eine Seite des Gesichts ist ausgeleuchtet und die andere liegt nahezu vollständig im Schatten bis auf ein kleines Dreieck unter dem Auge – dem Rembrandt-Dreieck. Dieses Licht ist insbesondere für Männer gut geeignet, da durch den Schattenwurf im Gesicht eine gewisse Härte erzeugt wird, die von Frauen nicht immer gewünscht ist.

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Modell Saskia mit Rembrandt-Licht fotografiert – eine immer noch klassische Portrait-Beleuchtung / Bild: Nicole Dau

Das Mephisto-Licht: Wird so bezeichnet, da es von unten auf den Menschen strahlt und dadurch an den Brauen quasi kleine Teufelshörner entstehen. Diese Lichtgebung erzeugt beim Betrachter eher ein kleines Gefühl des Grauens und ist daher in den meisten Fällen für ein Business-Portrait nicht zwingend geeignet.

Loop: Der Name stammt von dem Nasenschatten, der die Form einer Schleife hat. Das Licht kommt von oben und leicht seitlich und wird in dieser Form oft für Standardportraits verwendet.

Beauty: Das direkt auf das Gesicht einfallende Licht schafft eine beinahe schattenfreie Ausleuchtung, die Augenringe, Hautunreinheiten und Falten verschwinden lässt. Dadurch kann das Gesicht allerdings auch sehr flach wirken und es bedarf einer guten Maske, um Kontraste zu erzeugen.

Butterfly: Das Licht hat seinen Namen durch den schmetterlingsförmigen Schatten unter der Nase. Bei dieser Belichtung dreht die Person das Gesicht direkt Richtung Lichtquelle und erhält dadurch einen glamourösen Effekt.

Natürlich gibt es noch weitere Varianten. Es ist aber vor allem wichtig, die verschiedenen Belichtungen zu testen und den Effekt des Gesichts auf den Betrachter zu evaluieren. Oftmals lassen sich auch mehrere Lichter verbinden, beispielsweise ein Seitenlicht mit einem Kopflicht (von oben) für mehr Kontrast zum Hintergrund – und um das Portrait dadurch leichter freistellen zu können.
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Modell Saskia mit Mephisto-Licht – für Business-Portraits eher ungeeignet / Bild: Nicole Dau

5. Belichtung – Technik und Lösungen

Besonders, wenn keine professionelle Kameraausrüstung greifbar ist, bietet es sich an mit natürlichem Tageslicht zu fotografieren. Die Farbtöne sind natürlicher und es findet automatisch eine gute Ausleuchtung statt. Fenster befinden sich als ideale Hauptlichtquelle hinter oder schräg hinter dem Fotografen. Bei der Positionierung des Modells neben einem Fenster sollte das Hauptlicht eher vom Raum aus kommen. Ein Deckenlicht können Hobby-Fotografen wunderbar zur allgemeinen Aufhellung verwenden. Kleinere Lampen wie Schreibtischlampen können als Spot genutzt werden und weiße Wände fungieren als Reflektoren, um das Modell auf natürliche Weise besser auszuleuchten. Es bietet sich allerdings auch an, in einen faltbaren Reflektor zu investieren. Diese sind nicht teuer und lassen sich leicht überall hin mitnehmen. Zudem sind sie für Outdoor-Shootings ein guter Begleiter.

6. Das Format – RAW oder JPEG?

Eine Spiegelreflexkamera bietet verschiedene Speicher-Optionen an: Als JPEG, RAW oder beides. Was also verwenden? Wem es nicht stark an Speicherplatz mangelt, gern die Option „beides“ wählen. JPEG ist ein komprimiertes Bildformat, das fertig konvertiert mit einer definierten Größe auf der Speicherkarte gelagert wird. Für viele Aufnahmen kann das zunächst ausreichend sein und für eine schnelle Ansicht auch durchaus praktisch. Allerdings wird es schwieriger, wenn wir ein Bild doch einmal stärker nachbearbeiten oder vergrößern möchten. RAW, das Rohdatenformat, wird unverändert auf das Speichermedium geschrieben. Durch Bildbearbeitungsprogramme wie Photoshop können im Nachgang so wesentlich mehr Parameter wie Belichtung, Farb- und Schärfeeinstellungen feingranular bearbeitet werden und die Bildqualität ist besser.